Sollte man den Schulbeginn auf 9 Uhr verschieben?

Immer öfter hört man davon, dass es besser wäre, die Schule um 9 Uhr regulär beginnen zu lassen. Doch ist das überhaupt eine gute Idee? Und was müsste passieren, damit das möglich wäre?

Für die meisten Jugendlichen sind acht bis zehn Stunden Schlaf gesund. Allerdings schaffen die meisten gerade so sechs bis sieben Stunden.

Forscher/innen der Universität Marburg fanden heraus, dass die 8.800 Jugendlichen, die sie untersucht hatten, zu wenig schliefen. Ein Grund dafür ist der frühe Beginn in den Schulen.

Eine amerikanische Studie zeigte zudem, dass Jugendliche in der Pubertät später ins Bett gehen. Daher können viele erst nach 23:00 Uhr schlafen und wachen morgens mit Schlafmangel auf. Eltern können ihre Kinder jetzt früh ins Bett schicken. Allerdings können Jugendliche nicht wirklich früher einschlafen. Es widerspricht ihrem natürlichen, inneren Rhythmus. Das bedeutet nicht, dass Schule um 10 Uhr anfangen muss. Schlafforscher/innen sind sich jedoch einig: Jede Minute Schlaf zählt.

Eine Studie mit 2.700 Jugendlichen zeigte, dass schon 15 Minuten mehr Schlaf zu mehr Aufmerksamkeit während des Unterrichts führen. Die bisherige Studienlage weist jedoch deutlich darauf hin, dass der für 8:00 Uhr angesetzte Unterricht dem aktuellen Kenntnisstand widerspricht. Besser wäre ein Beginn um 8:30 Uhr oder 9 Uhr. Man unterscheidet in zwei populäre Chronotypen, nämlich die Frühaufsteher/innen („Lerchen“) und Spätaufsteher/innen („Eulen“). Letztere sind vor allem nachmittags und abends leistungsfähig und werden erst tief in der Nacht zum Einschlafen müde. Das bedeutet, dass viele Teenager morgens ziemlich lang schlafen dürfen müssten.

Am Gymnasium Alsdorf in der Nähe von Aachen dürfen Oberstufenschüler/innen selbst entscheiden, ob sie um 8:00 Uhr oder erst um 9:00 Uhr zur zweiten Stunde kommen. Die Gleitzeit funktioniert, weil das Gymnasium nach der Dalton-Pädagogik arbeitet. Mit zwei Selbstlern-Stunden pro Tag arbeiten die Schüler/innen individuell an vorgegebenen Inhalten. Ein Lehrer ist da und hilft wenn notwendig. Die erste Stunde ist eine solche Selbstlernzeit. Wer sie ausfallen lässt und weiter schläft, muss in den nächsten Tagen nacharbeiten – meistens in Freistunden, die es im Kurssystem der Oberstufe oft gibt. Mit dem nachzuholenden Stoff stopfen die Jugendlichen ohnehin bestehende Lücken in ihrem Stundenplan. Die Gleitzeit wird seit ihrer Einführung immer wieder wissenschaftlich untersucht. Die Studien zeigen zwar keine messbar besseren Noten, aber die Zufriedenheit der Schüler ist stark angestiegen. Wer möchte, darf  jeden Tag schon um 8 Uhr kommen. So wird die Gleitzeit den Lerchen genauso gerecht wie den Eulen.

Das ist aus meiner Sicht das ideale Modell.

Schlafmediziner Alfred Wiater

 

Meinungen

Frau Lührs (Vertrauenslehrerin):

Wenn Schule um 9 Uhr anfängt, muss man natürlich wissen, dass sie dementsprechend länger dauert, also dass diese Stunde am Nachmittag stattfindet. Wenn man das bedenkt, dann wird es nunmal schwierig. Vor allem an unserer Schule, weil wir schon so lange Unterrichtstage haben. Das würde meines Erachtens nur gehen, wenn wir offiziell eine Ganztagsschule wären, mit den Ressourcen. Das bedeutet, wir haben nicht nur Lehrer, sondern auch Schulpsychologen und Sozialpädagogen. Es müsste Rückzugsmöglichkeiten geben, also auch Räume wie den Oberstufenraum, in denen gelernt werden kann, aber vielleicht auch Ruheräume, wo Schülerinnen und Schüler Musik hören können und das müsste alles sehr sehr gut geplant sein. Ich kann das verstehen, dass ein späterer Beginn gerade bezüglich des Biorhythmus von Teenagern sinnvoll erscheint, weil sie einfach in der ersten Stunde noch total müde sind, gar nicht so konzentriert oder aufnahmebereit sind, aber ich glaube, dass die Umsetzung genau an den oben genannten Punkten scheitern würde. Man müsste die Stundenpläne einfach entzerren, aber das Problem ist eben, dass Bremen sich für das G8-System entschieden hat. Die meisten Eltern müssen um 8 Uhr arbeiten. Das bedeutet, man muss mit Ressourcen arbeiten. Man müsste eine Betreuung von 8 bis 9 auf jeden Fall anbieten. In der Zeit könnte man auch Frühstück anbieten. Also gerade für die Jüngeren. Aber das kostet Geld und das wird die Behörde nicht ausgeben.

 

Frau Grünbauer (Biologie)

Das Feld, wie intensiv man schläft, wann und wie der Tag-Nacht-Rhythmus abläuft, ist das Gebiet der Chronobiologie. Da wird erforscht, wie der Rhythmus hormonell bedingt ist und wie er von außen vorgegeben wird, durch die äußeren Bedingungen. Neurobiologisch ist es so, dass im Schlaf die wichtigen Lernprozesse verarbeitet werden und die Informationen erstmal im Gehirn ankommen. Deswegen ist Schlaf gerade in der Phase der Schulzeit sehr wichtig. Und die Melatonin-Ausschüttung, also das Hormon, durch das wir müde werden, ist bei Jugendlichen um 2-3 Stunden nach hinten verschoben. Das heißt, vor Mitternacht werden Jugendliche meistens nicht müde. Dazu kommen Gewohnheiten, wie nochmal auf das Handy zu gucken. Dort ist der Blaulicht-Anteil der Geräte auch nicht förderlich um müde zu werden. Was auch noch dazu kommt ist der Inhalt, den man guckt. Das sich ja Sachen, die einen interessieren. Es sind also mehrere Dinge, die dazu führen, dass Jugendliche erst sehr spät ins Bett finden.

Dadurch, dass die Schlafenszeit verkürzt wird, können die Lernprozesse im Gehirn nicht so intensiv verarbeitet werden. Neurobiologisch ist es schon besser, wenn man später startet.  Das ist aber auch abhängig von den Chronotypen. Wenn man jetzt Eule ist und jeden Tag um 8 Uhr Schulbeginn ist, kann es zu Schlafmangel kommen, aber unser Körper ist auch dazu fähig Schlaf, zum Beispiel an Wochenenden, nachzuholen. Im Endeffekt ist es aus neurobiologischer Sicht besser, später zu beginnen, aber aus pragmatischer Sicht wird das nicht umsetzbar sein.

 

 

 

Quellen:

https://www.uni-trier.de/fileadmin/fb1/prof/PSY/HBF/mindmag86-tgb.pdf

https://www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/rotenburg-ort120515/schulbeginn-erst-um-uhr-91748953.html

https://www.quarks.de/gesellschaft/bildung/darum-sollte-die-schule-spaeter-beginnen/

https://www.openpetition.de/petition/argumente/schule-ab-9-uhr#petition-main

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Landesschuelerrat-will-spaeteren-Schulbeginn-um-9-Uhr,schulbeginn218.html

https://www.focus.de/familie/schule/schule-um-9-ist-frueh-genug-schluss-mit-der-quaelerei-schuetzt-die-kinder-vor-dem-8-uhr-diktat_id_11054673.html

 

Tanja Bünte

1. Name: Tanja Bünte
2. Wann sind Sie geboren?

Am 2. Januar

3. Welche Fächer unterrichten Sie?

Deutsch, Englisch und Darstellendes Spiel

4. Seit wann unterrichten Sie am Gymnasium Horn?

Seit Februar 2003

5. Haben Sie vorher bereits an einer anderen Schule unterrichtet?

Mein Referendariat habe ich in Essen am Burggymnasium absolviert.

6. Warum sind Sie Lehrer geworden? Was motiviert Sie?

Das war eine absolut spontane Entscheidung: Das Fach Englisch war mir wichtig, aber Lehrerin zu werden hatte ich vorher nie auf dem Schirm. Weil mir nichts Besseres einfiel, nahm ich mir vor, den Beruf als Herausforderung zu begreifen.


7. Was würden Sie am Schulsystem ändern, wenn Sie könnten?

Kleinere Lerngruppen, schöne Räumlichkeiten mit Rückzugsmöglichkeiten und Platz für kreatives Miteinander, weniger Leistungsabfragen, mehr Freiraum für Unterrichtsgestaltung


8. Wenn Sie nicht Lehrer geworden wären, was wären Sie dann?

Früher wollte ich Grafikdesignerin werden, heute könnte ich mir auch Psychotherapeutin vorstellen.


9. Was mögen Sie gerne am Gymnasium Horn?

Die Menschen!


10. Was mögen Sie nicht so gerne am Gymnasium Horn?

Es ist mir zu groß und dementsprechend zu anonym. Außerdem ist es in Bremen, einem Bundesland, das für Bildung zu wenig Geld investiert.


11. Warum arbeiten Sie in Bremen und nicht woanders?

Ich mag Land und Leute.


12. Wollen Sie noch etwas hinzufügen?

Noten sind nur Zahlen!

Arnaud Rinié

1. Name: Arnaud Rinié
2. Wann sind Sie geboren?

Im Jahr, in dem Freddie Mercury uns verlassen hat.

3. Welche Fächer unterrichten Sie?

Französisch und Spanisch

4. Seit wann unterrichten Sie am Gymnasium Horn?

Seit 2021

5. Haben Sie vorher bereits an einer anderen Schule unterrichtet?

Nein, ich bin aber auch erst im Referendariat.

6. Warum sind Sie Lehrer geworden? Was motiviert Sie?

Aus Freude, mit Menschen zusammenzuarbeiten; Schüler:innen, das zu vermitteln, was ich am besten kann (Sprachen) und SIE in ihrer persönlichen Entwicklung, als Mensch aber auch als Bürger, zu begleiten und zu unterstützen.

7. Was würden Sie am Schulsystem ändern, wenn Sie könnten?

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll…


8. Wenn Sie nicht Lehrer geworden wären, was wären Sie dann?

Das Lehrerdasein war tatsächlich nicht meine erste Wahl. In einem früheren Leben habe ich die Leitung der Mediathek im Institut français Bremen und Hamburg geführt. Es gibt aber viele andere Berufe, die ich gern ausgeübt hätte: Journalist, Koch, Konditor, Innendesigner, …


9. Was mögen Sie gerne am Gymnasium Horn?

Das tolle Kollegium; die liebenswürdigen Schüler:innen; das freundliche Mensateam und das leckere Essen, das uns täglich zubereitet wird; das Schulgebäude; das Arbeitsklima und das Lehrerzimmer, insb. das Stillarbeitszimmer.


10. Was mögen Sie nicht so gerne am Gymnasium Horn?

Die Aufsichten, insb. die im Haupteingang und in der Mensa.


11. Warum arbeiten Sie in Bremen und nicht woanders?

Bremen betrachte ich mittlerweile als mein Zuhause.


12. Wollen Sie noch etwas hinzufügen?

« Cultiver les différences. Nul besoin de cultiver le reste, et qui se retrouvera bien toujours. Mais le rare, l’exceptionnel, l’unique, quelle perte pour tous si cela vient à disparaître. » – André Gide, Journal

Nicole Küpke

1. Name: Nicole Küpke
2. Wann sind Sie geboren?
Im Jahr der Erfindung des Jumbo-Jets und der Spielkonsole.
3. Welche Fächer unterrichten Sie?
Kunst, Digitale Medien und WAT
4. Seit wann unterrichten Sie am Gymnasium Horn?
Seit 2021
5. Haben Sie vorher bereits an einer anderen Schule unterrichtet?
Hochschule Bremen, Schulzentrum Alwin-Lonke-Straße (im Bereich Gestaltung)
6. Warum sind Sie Lehrer geworden? Was motiviert Sie?
Die Freude an Schüler:innen und deren Entwicklung sowie das Erarbeiten neuer Inhalte.
7. Was würden Sie am Schulsystem ändern, wenn Sie könnten?
Kleinere Klassen, weniger Schulstunden, mehr Zeit zum freien Denken und Ausprobieren.
8. Wenn Sie nicht Lehrer geworden wären, was wären Sie dann?
Ideenmaschine oder Berufsoptimistin.
9. Was mögen Sie gerne am Gymnasium Horn?
Die Atmosphäre, die Schüler:innen und Kolleg:innen, dass alles so gut organisiert ist.
10. Was mögen Sie nicht so gerne am Gymnasium Horn?
Die vielen Konferenzen und Termine.
11. Warum arbeiten Sie in Bremen und nicht woanders?
Bremen ist eine Großstadt mit dörflichem Charakter. Das spiegelt sich auch in den Menschen wider – sie sind weltoffen und verbindlich.
12. Wollen Sie noch etwas hinzufügen?
„Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“
Albert Einstein