Frau Korsch, wieso wollten Sie Vertrauenslehrerin werden?

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Seit 2008 unterrichtet Katharina Korsch am Gymnasium Horn Deutsch und Sport. Seit dem Jahr 2024 ist sie mit 40,8% der Stimmen die neue Vertrauenslehrerin der Schule. Mit welcher Intention sie an die Sache herangeht und welche Ambitionen sie für das neue Amt hat, fragten wir sie in diesem Interview.

 

Seit wann sind Sie am Gymnasium Horn und welche Fächer unterrichten Sie?

Ich bin seit Mai 2008 am Gymnasium Horn und unterrichte Deutsch und Sport.

Seit dem neuen Jahr sind Sie Vertrauenslehrerin vom Gymnasium Horn. Sie haben die Wahl mit 40,8 Prozent der Stimmen gewonnen. Was denken Sie, warum Sie gewählt wurden?

lachend. Weil ich so ein lieber Mensch bin. Nein, ich weiß es nicht. Diese Frage gebe ich eigentlich lieber zurück. Warum junge Menschen mir vertrauen, können sie sich ja am besten selber beantworten. Ich würde mir selbst auch vertrauen und freue mich deswegen auch darüber, dass andere das auch tun.

Wieso haben Sie sich für das Amt der Vertrauenslehrerin aufstellen lassen?

Ich habe mich aufstellen lassen, weil ihr mich gefragt habt. Die erste Voraussetzung dafür, dass ich kandidiere, war, dass ich mich nicht selbst anbieten wollte. Ich finde es sinnvoller und netter, wenn Schüler selbst den Wunsch äußern, dass ich mich aufstellen lasse.

Warum finden Sie, dass Sie für das Amt geeignet sind?

Ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen seit ungelogen über 30 Jahren fast täglich zusammen, also seitdem ich 19 Jahre alt bin. Ich habe schon so viele Kinder und Jugendliche in Kinder- und Jugendeinrichtungen betreut, dass ich ganz viele verschiedene Schicksale kennengelernt habe. Deswegen bin ich auch der Meinung, dass ich mich in die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen gut einfühlen kann. Deshalb sehe ich mich da auch als geeignete Person.

Wo haben Sie denn vorher gearbeitet?

Einmal in einem Jugendfreizeitheim, das heißt die Bude in der Neuen Vahr Nord. Dann habe ich irgendwann im Freizeitheim Stackamp gearbeitet, was ein Brennpunkt ist. Es gab dort einen Sonderbereich, der Lückeprojekt hieß. Dort konnten junge Menschen leben zwischen zehn und fünfzehn leben, die dort hingekommen sind, weil sie zuhause niemand erwartet, weil sie kein Mittagessen vorfinden und sich eben generell nicht genug um sie gekümmert wird. Also habe ich mich um sie gekümmert. Der Job war fast noch fordernder als mein Beruf jetzt als Lehrerin, weil manche Menschen eben wirklich schlimme Schicksale mitgebracht haben. Das war auch erstmal begleitend zum Studium, weil ich mir natürlich auch mein Geld verdienen musste.

Dann haben Sie ja schon reichlich Erfahrungen mit Kindern. Was erwarten Sie denn von diesem Amt?

Eigentlich erwarte ich gar nichts. Ich bin einfach da, für alle die, die von mir etwas erwarten und sich mir öffnen möchten. Ich bin offen für alle, die ihre Probleme mit mir teilen möchten und dies nicht an anderer Stelle tun können.

Also haben Sie noch keine wirklichen Vorstellungen von dem, was da genau auf sie zukommt?

Nicht so wirklich. Ich habe mich schon einmal mit Frau Lührs zusammengesetzt, die mir auch direkt eine Broschüre zu dem Thema gegeben hat. Eine Erwartung ist, wo ich gerade über nachdenke, dass ich eng mit euch als Schülervertretung zusammenarbeiten werde. Ich gehe davon aus, dass wir in engem Kontakt sein werden und wir auch Projekte zusammen angehen können.

Meinen Sie, dass Sie die mit dem Amt verbundenen Aufgaben gut bewältigen können?

Ja.

Welche Erwartungen haben Sie dabei an sich selbst?

Meine Erwartung an mich selbst ist, den Schüler:innen gerecht zu werden. Natürlich auch in Punkten, wo das wirklich schwierig wird, weil es das System der Schule nicht so hergibt. Was ich mir als Aufgabe gesetzt habe, ist, mich für das Amt auch weiterzubilden. Ich werde nach Fortbildungen gucken, um das Amt so gut wie es geht ausführen zu können.

Was sind Ihre Ziele für das Jahr in Bezug auf Ihr neues Amt?

Die Fortbildungen sind ein Ziel von mir. Ein weiteres Ziel wäre, dafür zu sorgen, dass wir einen Raum bekommen, in dem wir uns ungestört mit Schüler:innen zurückziehen können, für ein Gespräch im Rahmen des Amtes. Darüber habe ich auch mit Frau Lührs gesprochen und wir waren uns einig, dass es so, wie es bisher ist, nicht gut ist. Der Glaskasten im Lehrerzimmer ist natürlich doof, weil man da für alle Lehrkräfte sichtbar ist. Der Horn Plus Raum wäre ein weitgehend ungenutzter Raum, der für die Zwecke sehr gut geeignet wäre.

Was wollen Sie in Ihrem Beruf als Lehrerin dieses Jahr anders machen als letztes Jahr?

Neujahrsvorsätze habe ich eigentlich nie. Ich bin mit meinem Leben wirklich zufrieden. Wenn mal Probleme auftreten, gehe ich sie direkt an. Ich kenne auch meine Schwächen.

Was sind denn Ihre Schwächen?

Meine Schwäche ist zum Beispiel, dass ich im Unterricht zu viel außerhalb vom Thema rede. Und dass ich mich immer selbst ablenke. Ich kann mir gut vorstellen, dass man mir früher, wenn es das damals schon gegeben hätte, ADHS oder ähnliches diagnostiziert hätte.

Was würden Sie am Gymnasium Horn verändern, wenn Sie es könnten?

Ich würde damit anfangen, den Unterricht später beginnen zu lassen. Dann würde ich gerne Lerninseln einführen. Das bedeutet, dass sich Kinder und Jugendliche zu gemeinsamen Themen in verschiedene Räumlichkeiten zurückziehen können und zusammen an Projekten arbeiten können.

Das sind aber leider Dinge, die sehr schwierig umzusetzen wären und wofür auch das Geld fehlt. Ich rede normalerweise nicht so gerne darüber, was ich in der Theorie verändern wollen würde, sondern ich versuche eigentlich immer, in dem Rahmen zu handeln, der vorgegeben wurde und ihn so weit auszudehnen, wie es geht.

Was sind denn Beispiele dessen, was Sie jetzt bereits tun?

Was ich gerne mache, ist im Deutschunterricht anstatt von schriftlichen Klassenarbeiten eher auf Arbeitsersatzleistungen zurückzugreifen, weil ich finde, dass manche in dieser schriftlichen Form versagen. Dann ist es nett, wenn sie ein Format finden, in dem sie auch mal glänzen können. Das heißt gar nicht, dass sie das schriftliche nicht lernen sollen, aber da gibt es auch andere Zeitpunkte für. Beispiele für solche Arbeiten sind, einen Film zu drehen oder ein Lesetagebuch zu erstellen. Das sind Maßnahmen, die man im Deutschunterricht gut umsetzen kann.

Wie haben Sie sich auf das Amt vorbereitet?

Noch gar nicht, bis auf das Gespräch mit Frau Lührs.

Mit welchen Themen kann man sich an Sie wenden?

Ich glaube mit allen Themen, wenn man möchte. So sehe ich mich als Vertrauenslehrerin. Was das Schulische betrifft sowieso: Wenn es Probleme zwischen Schüler:innen untereinander gibt oder welche zwischen Schüler:innen und Lehrer:innen. Aber auch wenn es mal etwas Privates ist. Da sehe ich mich sogar noch ein bisschen mehr, weil ich immer denke, dass ich da ein gutes Glied bin, wenn man nicht alles mit seine:r Klassenlehrer:in oder Fachlehrer:in besprechen möchte. Und vor allem auch wer seine Probleme nicht mit den Eltern besprechen möchte, kann gerne zu mir kommen.

Ich bin zwar keine Psychologin, aber ich bin davon überzeugt, dass ich Kinder und Jugendliche in ihrem emotionalen Durcheinander gut betreuen kann.

Denken Sie, dass Sie bei allen Problemen selbst helfen können?

Nein, das wird ja nie so sein. Wenn ich aber ein Problem nicht bewältigen kann, dann verweise ich auf andere Stellen, die dafür gut geeignet sind. Dafür gibt es auch klare Richtlinien, was ich zu tun habe, wenn bestimmte Fälle auftreten. Wenn etwas beispielsweise in Richtung Suizid geht, dann ist der rechtliche Rahmen, dass ich das melden muss.

Wo findet man Sie und wie kann man Sie erreichen?

Man findet mich immer hier in der Schule außer montags im Moment. Erreichen kann man mich über itslearning. Das heißt nicht, dass ich alle fünf Minuten auf itslearning gucke, aber wenn man mich erreichen möchte, dann findet man mich.

Vielen Dank für das Interview.

 

 

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