Frau Lührs, was macht man eigentlich als stellvertretende Schulleiterin?

Seit letztem Jahr Oktober ist Tatjana Lührs stellvertretende Schulleiterin vom Gymnasium Horn. Doch welche Aufgaben hat man eigentlich als stellvertretende Schulleiterin? Und welche Qualifika-tionen und Kompetenzen muss man mitbringen?

 

Sie haben hier in Ihrem Büro einen Harry Styles Pappaufsteller stehen. Was hat es damit auf sich?

Ich liebe Harry Styles. Ich mag seine Musik und das, wofür er steht: “Treat people with kindness”. Es ist also egal, wer und wie man ist, man soll einfach gut zu seinen Mitmenschen sein.

Wie sieht Ihr Leben außerhalb der Schule aus?

Im Moment ist das reduziert, weil ich gerade sehr viel arbeite. Aber ich habe eine Familie, nämlich einen Mann und eine Tochter. Die beiden möchten natürlich auch Zeit mit mir verbringen. Wir reisen viel und gerne und dann treffe ich mich natürlich mit Freunden. Zusätzlich ist Theater eine Sache, die ich gerne mache.

Trotz der vielen Arbeit verbringen Sie noch genug Zeit mit Ihrer Familie?

Ja, aber manchmal fragen die schon nach, wo ich denn bleibe. Dann bekomme ich WhatsApp-Nachrichten, ob ich noch zum Abendbrot nach Hause komme. Aber wir versuchen immer, uns diese gemeinsamen Zeiten zu nehmen. Abendbrot ist tatsächlich ein bisschen heilig bei uns, weil wir uns da gegenseitig austauschen.

Wie war Ihr Verhältnis zur Schule, als Sie noch Schülerin waren?

Bis zur Oberstufe noch vollkommen in Ordnung. Ich bin einfach so mitgegangen, das war nie ein Problem. Auch in der elften war noch alles okay, aber in der zwölften Klasse musste ich ein paar Erfahrungen machen, die damit zu tun hatten, dass ich ehrlich gesagt nicht so fleißig war, wie ich hätte sein sollen. Ich konnte das glücklicherweise noch umdrehen. Ich habe aber Verständnis für Schüler:innen, die auch andere Sachen als Schule im Kopf haben.

Wie war dann ihr Abiturschnitt?

lacht. Das ist sehr unangenehm. Der war leider tatsächlich nicht so gut. Der lag im knappen 3er-Bereich. Wie gesagt, ich konnte das Ruder noch herumreißen. Wenn ich mehr dafür getan hätte, wäre es auch deutlich besser geworden. Ich habe eben in der Mittelstufe nie etwas tun müssen und hatte immer gute Noten, teilweise sehr gute Noten, aber das ist mir leider in der Oberstufe nicht mehr gelungen.

Wie ging es nach der Schule weiter? Was wollten Sie aus Ihrem Leben machen?

Ich war erstmal von dieser ganzen Schulgeschichte ein wenig bedient. Ein Studium konnte ich mir in dem Moment gar nicht vorstellen. Ich habe dann schon schnell mit einer Ausbildung zur Buchhändlerin angefangen. Das war alles sehr klassisch. Das ist eine kaufmännische Ausbildung mit sehr viel Literaturwissen. Dann habe ich tatsächlich in diesem Gebäude, vom heutigen Gymnasium Horn, meine Berufsschule absolviert. Nach der Ausbildung war ich weiterhin auf der Suche nach einem Beruf.

Haben Sie zuvor irgendwo anders gearbeitet?

Ja. Ich habe die Ausbildung zur Buchhändlerin in Oyten gemacht. Dann habe ich angefangen, in diesem Beruf zu arbeiten. Danach war ich für einige Monate in Australien. Nachdem ich dann nochmal in Verden als Buchhändlerin gearbeitet hatte, habe ich gemerkt, dass mir das nicht wirklich reicht. Dann habe ich mit 24 Jahren angefangen, Lehramt zu studieren und durch Praktika festgestellt, dass das der richtige Beruf ist. Mir war auch klar, dass ich von der fünften bis zur 13. Klasse unterrichten wollte. Mein Studium habe ich, im Gegensatz zu meinem Abitur, sehr gut abgeschlossen. Damals war es noch so, dass wir trotz des guten Abschlusses nicht unbedingt einen Referendariatsplatz bekommen haben. Das lag am Fach Religion, welches ich unterrichte. Es gab in dem Fach nur zwei Plätze, die jedes Jahr vergeben wurden. Es gab da Menschen, die vier oder fünf Jahre auf einen Referendariatsplatz gewartet haben. Ich musste anderthalb Jahre warten. In der Zeit habe ich etwas ganz anderes gemacht und angefangen, in der Werbung zu arbeiten. Als ich den Referendariatsplatz dann hatte, bin ich an eine Schule in Bremen-Nord gegangen.

Wie lange arbeiten Sie schon am Gymnasium Horn?

Seit 2002. Ich habe hier während des Referendariats ein Praktikum gemacht und eine Prüfung abgelegt. Dadurch habe ich auch diese Schule sowie Frau Kelm, unsere ehemalige Schulleiterin, kennengelernt. Als ich mit dem Referendariat fertig war, hat Frau Kelm mich aus Bremen-Nord weggeholt und hier an die Schule gebracht. Als ausgebildete Lehrerin habe ich 2003 fest hier angefangen.

Welche Fächer unterrichten Sie?

Deutsch als Zweitsprache. Das habe ich in erster Linie studiert. Dabei muss man ganz normal Germanistik studieren, also unterrichte ich auch in regulären Klassen Deutsch. Und außerdem Religion. Zusätzlich kann ich noch, weil ich während meines Studiums ein paar Semester Philosophie studiert habe, Philosophie in der Mittelstufe unterrichten.

Frau Lührs an ihrem Schreibtisch – © Philipp Olde Kalter

Nun sind Sie Stellvertretende Schulleiterin. Warum wollten Sie das machen?

Eigentlich wollte ich nie wirklich in die Schulleitung. Das hat sich einfach durch diese tolle Schule und die Arbeit hier ergeben, dass ich immer geguckt habe, was man noch verändern könnte. So bin ich vor sehr langer Zeit in eine Steuergruppe gerutscht. Weil ich Teil dieser Steuergruppe war, wurde ich, als das Prinzip der Jahrgangsleitung eingeführt wurde, angesprochen, ob ich mich nicht auf eine solche Stelle bewerben möchte. Das habe ich mit meiner Familie besprochen, mich anschließend beworben und bin es auch geworden.

Die Aufgabe habe ich dann eine ganze Zeit lang übernommen. Irgendwann fand dann wieder eine Umstrukturierung in der Schulleitung statt. Dann kam wieder eine ähnliche Situation wie vorher vor. Eigentlich machte mir alles Spaß und ich war zufrieden mit meinem Job. Aber dann wurde ich wieder angesprochen, ob ich nun stellvertretende Schulleiterin werden wollte. Dann habe ich mich beworben und bin jetzt stellvertretende Schulleiterin.

Was sind Ihre Aufgaben als stellvertretende Schulleiterin?

Die Schulleitung, also Frau Preuschoff und ich, haben sehr viele verschiedene Aufgaben. Ich bin im Moment mit Frau Preuschoff und den anderen Mitgliedern der Schulleitung dabei zu gucken, was da eine sinnvolle Arbeitsteilung ist. Wir teilen uns die Termine auf und machen gemeinsame Termine, in denen wir mit den Statusgruppen zusammenarbeiten.

Ich bin unter anderem für die Fortbildungen zuständig. Da kümmere ich mich um das Budget et cetera.

Im Moment bin ich auch noch als Jahrgangsleitung für den fünften Jahrgang zuständig, was aber mit meinem Job als stellvertretender Schulleiterin nichts zu tun hat.

Ich übernehme im Moment generell ganz viele Organisationsaufgaben und beantworte zum Beispiel rechtliche oder organisatorische Fragen von Kolleg:innen.

Und das waren alles Aufgaben, die Frau Preuschoff erst so ziemlich alleine bewältigen musste. Die hat sie jetzt teilweise an mich übertragen.

Sie sind auch didaktische Leitung. Was bedeutet das?

Als didaktische Leitung bin ich für den Unterricht und seine Qualität zuständig. Ich habe die Verantwortung dafür, dass bei uns der Unterricht gemäß der Bildungspläne stattfindet. Eine meiner ersten Amtsaufgaben war, dass ich den Fachkonferenzen noch mal den Auftrag gegeben habe, die schulinternen Curricula anzupassen. Da habe ich ein paar Vorgaben gegeben, die meines Erachtens wichtig zu erfüllen sind. Zum Beispiel, wie viele Klassenarbeiten geschrieben und in welchem Verhältnis schriftliche und mündliche Leistung gewertet werden.

Welchen Anspruch haben Sie als stellvertretende Schulleitung an sich selbst?

Mein Anspruch ist, für möglichst alle Statusgruppen und an der Schule beteiligten Personen da zu sein und zu unterstützen, aber auch für die Schule insgesamt zu arbeiten. Das ist manchmal nicht ganz einfach, weil man etwas für Schüler tun möchte,und  dann gibt man Kollegen wieder Aufgaben damit, die sie belasten. Mein Anspruch an mich ist es, dort Wege zu finden, dass alle hier an der Schule gut zurechtkommen.

Welche Qualifikationen und Kompetenzen bringen Sie mit, um Ihr neues Amt zu bewältigen und Ihren Ansprüchen gerecht zu werden?

Ich habe durch die Jahrgangsleitung schon Erfahrungen gemacht, sodass ich mich mit bestimmten Dingen schon auskenne. Eine weitere Kompetenz ist, dass mir Kommunikation sehr wichtig ist. Ich glaube, dass das eine Kompetenz ist, die mir hilft, mit allen immer möglichst gut ins Gespräch zu kommen und dass dort auch versuche, zielorientiert zu sein. Also nicht zu gucken, was nicht geht, sondern in schwierigen Situationen zu schauen, was wir tun können, um in einem oder zwei Monaten an einem anderen Punkt zu stehen.

Das neue Amt bringt mehr Arbeit mit sich. Bedeutet das auch mehr Stress für Sie?

Mehr Stress würde ich nicht sagen. Es ist anderer Stress, weil da ein anderer Druck seitens der Behörde ist, dass bestimmte Dinge nochmal mehr umgesetzt werden müssen.

Wie gehen Sie mit diesem neuen Stress um?

Glücklicherweise habe ich eine Familie, die mich da sehr unterstützt und auch Freundinnen und Freunde. Ich muss ganz ehrlich sagen, an dieser Schule und vor allem in der Schulleitung haben wir ein sehr offenes und vertrauensvolles Verhältnis. Wir reden viel miteinander und versuchen uns gegenseitig zu unterstützen. Das hilft so ungemein.

Was sind aktuell die größten und arbeitsintensivsten Herausforderungen an unserer Schule?

Ich bin im Präventionsteam, das ist für mich ein ganz großer Punkt. Auch das Thema Mobbing, das immer an Schulen stattfindet, ist etwas, das ich nochmal in Angriff nehmen möchte. Ich finde das sehr herausfordernd, weil man das immer wieder auch auf neue Arten thematisieren muss. Eine andere Herausforderung besonders in Bezug auf Unterricht ist künstliche Intelligenz. Das bekommt man außerhalb wahrscheinlich nicht so mit, aber hier im Büro arbeite ich daran herauszufinden, wie wir hier an der Schule damit gut umgehen können.

Sie haben bereits erzählt, dass das Amt in den privaten Alltag eingreift. Inwiefern verändert es den Berufsalltag?

Ich unterrichte weniger, musste gerade eine liebe fünfte Klasse abgeben, dabei unterrichte ich sehr gerne. Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust, aber muss man sich dann entscheiden. Ich bin zwar hier öfter länger im Büro, aber ich muss nicht mehr jedes Wochenende Klausuren korrigieren. Ich kann mir das jetzt besser einteilen.

Wirkt sich Ihre neue Position auf das Verhältnis zu den anderen Kollegen aus?

Ich habe viele Freundinnen und Freude im Kollegium, bei denen ist es nicht so, weil es da keine Schwierigkeiten gibt. Das könnte eventuell anders sein, wenn ich mit jemandem ein Dienstgespräch führen müsste, der mit mir befreundet ist. Aber ich werde glaube ich jetzt nicht mehr so sehr als Kollegin gesehen, sondern von einigen schon als Schulleitungsmitglied. Das ist eine Perspektive, die ich gar nicht habe, denn aus meiner Sicht bin ich immer noch ganz normale Kollegin. Ich glaube, da muss ich mich eher gewöhnen.

Frau Lührs mit ihrem Harry Styles Pappaufsteller – © Philipp Olde Kalter

Was macht Ihnen besonders viel Spaß an den neuen Aufgaben?

Dieses Organisieren und was in die Hand nehmen, zum Beispiel den Umgang mit KI. Ich habe auch das Gefühl, jetzt mehr mit anderen Schulen in Kontakt zu kommen und dass ich dort schauen kann, was die machen. Und auch diese Schule an sich zu unterstützen und voranzubringen. Und die Zusammenarbeit mit allen, mit Eltern, Schülern und den Kollegen. Das macht mir am meisten Spaß.

Möchten Sie auf lange Sicht auch Schulleiterin werden und können Sie sich vorstellen, dafür an eine andere Schule zu gehen?

Im Moment kann ich mir das gar nicht vorstellen, aber was ich mit meiner Familie schon mal besprochen hatte, war die Idee, irgendwann ins Ausland zu gehen. Eventuell wäre da eine Möglichkeit, auch als Schulleiterin oder in einer Schulleitung tätig zu werden. Aber im Moment hat das noch gar keine Relevanz, weil ich einfach total gerne hier bin.

Wie wichtig ist es Ihnen, was Schüler, Lehrer und Eltern über ihre Arbeit denken?

Ganz wichtig ist mir, dass die Arbeit einerseits professionell wirkt. Dass die Menschen um mich herum den Eindruck haben, dass ich gut vorbereitet bin, dass ich weiß was ich tue. Es würde auch an mir nagen, wenn das nicht so wäre. Und ein anderer Punkt ist das Menschliche. Ich möchte gerne trotz aller Professionalität immer auch diese menschliche Seite nicht verlieren. Wenn jemand also mit einem Problem zu mir kommt, dass ich sage, dafür gibt es immer einen Raum zum Sprechen. Diese Tür steht nicht nur als Tür offen, sondern auch im Inneren.

Mit welchem Kollegen verstehen Sie sich besonders gut?

lacht. Ich verstehe mich wirklich mit ganz vielen Kollegen gut. Wenn ich mal die Schulleitung rausnehme, dann ist Frau Bünte so ein bisschen meine Herzenskollegin.

Vielen Dank für das Interview.

 

Frau Lührs hinter ihrem Schreibtisch – © Philipp Olde Kalter

Ganz schön leer im Meer: Das Problem der Überfischung

Ein Drittel unserer Meere ist überfischt, so die Tierschutzorganisation „WWF“. Was erst nicht so viel erscheint, hat leider deutliche Auswirkungen auf die Erde und unser Leben. Die stark überfischten Gebiete sind meist Gebiete, in denen die Fischarten leben, die später bei uns auf dem Teller landen. Dies nimmt teilweise solche Ausmaße an, dass manche Fischarten vom Aussterben bedroht oder gar ausgestorben sind. So muss man sich vorstellen, dass es schon in ein paar Jahrzehnten kaum noch Fische geben wird.

 

Der Mensch isst gerne Fisch und dies nicht einmal selten. So gab die Tierschutzorganisation „Peta“ an, dass im Durchschnitt ein Mensch 20,5 kg an Fisch pro Jahr zu sich nimmt. Der durchschnittliche Fisch hat ein Gewicht von 150 Gramm. So kann man errechnen, dass ein Mensch pro Jahr 136 Fische isst. Berechnet mit einer ungefähren Population der Welt von 8 Milliarden Menschen kommt man darauf, dass die Menschheit pro Jahr 1.088 Milliarden Fische isst. Dies ist deutlich zu viel und kann gravierende Auswirkungen auf das Leben auf unserem Planeten haben.

Nehmen wir Mal den „Kabeljau“ als Beispiel. Der 50 bis 60 Zentimeter lange Kabeljau oder auch Dorsch genannt, kommt hauptsächlich rund um Norwegen und Island im Nordostatlantik vor. Es gibt aber auch andere Arten des Dorsch, wie zum Beispiel den Pazifischen Kabeljau, den man im japanischen Meer antreffen kann. Der Kabeljau gilt als stark überfischt. So nimmt sein Bestand seit 1990 ab. Dies ist eine Folge unseres erhöhten Fischkonsums. WWF gibt an, dass die Menschheit in den letzten 50 Jahren ihren Fischkonsum verdoppelt hat. An dieser Stelle muss man aber auch erwähnen, dass wir in den 1970ern nur halb so viele Menschen auf der Erde waren wie heute. Somit hat der Fischbedarf pro Kopf nicht unbedingt zugenommen, sondern nur die Anzahl der Menschen, die Fisch essen.

Ist also doch alles gut? Nein, obwohl es keinen Anstieg im Konsum pro Kopf gibt, kann man nicht leugnen, dass es dennoch einen enormen Anstieg am allgemeinen Fischkonsum und an Fischerei gibt. Es werden immer noch doppelt so viele Fische gefangen wie vor 50 Jahren und die Population der Fische nimmt ab. So stellt sich die Frage, ob man überhaupt noch Fisch essen oder zumindest seinen Konsum senken sollte.

Wenn es nach den Unternehmen ginge, die Fischfang betreiben, sollte man dies natürlich nicht tun. Ein Unternehmen, das Fische in Supermärkten und im Online-Handel verkauft, ist die “Deutsche See GmbH“. Sie ist einer der größten Betriebe wenn es um den Fischhandel in Deutschland geht. Zum Thema Nachhaltigkeit und Überfischung schreiben sie auf ihrer Website: „Deutsche See hat das Ziel, eine nachhaltige Fisch-Einkaufspolitik zu betreiben. Aus diesem Grund suchen wir konsequent Alternativen für Fischarten, die nach wissenschaftlichen Befunden stark gefährdet sind. Wir setzen uns intensiv mit den Einkaufsquellen und den jeweiligen Situationen vor Ort auseinander“. Wenn man dies liest könnte man denken, dass sich die GmbH um stark überfischte und vom Aussterben bedrohte Tierarten kümmert. Doch stimmt dies?

Quelle: Jesper Nagel

Wenn man sich ihren Onlineshop ansieht, erkennt man schnell, dass es eine große Auswahl gibt. Ein Beispiel sind die Makrelen, deren Population in den letzten 50 Jahren um 74% abgenommen hat. Sie sind stark überfischt. Ein weiteres Beispiel ist der Thunfisch. Er ist ebenfalls stark überfischt und die meisten seiner Unterarten sind vom Aussterben bedroht.

Doch es gibt auch Fischarten bei denen die Deutsche See GmbH hilft sie am Leben zu erhalten. So unterstützt die Firma die „Vereinigung zur Rettung der Störe“, die „Initiative zur Förderung des europäischen Aals“. Beide Tierarten sind stark vom Aussterben bedroht. Die Population des Aals hat in den letzten 40 Jahren um 99% abgenommen. Da stellen sich mir die Fragen: Wie weit muss eine Spezies verdrängt und ausgerottet werden, damit ein großer Konzern sich um ihre Erhaltung kümmert? Und ist es in Ordnung, wenn man selbst an dieser Ausrottung teilhat, bis es schon fast zu spät ist und man die Fische retten muss? Man muss bedenken, dass große Konzerne selbst nichts davon haben, wenn sie ihre eigenen Quellen zerstören.

So kommt es immer mal wieder zu Verordnungen und Verträgen, die das Fischen von stark überfischten Arten vermindern sollen. In Europa kommen diese meist von der Europäischen Union (EU), die aber selbst der größte Fischimporteur weltweit ist. Dabei stammt die Hälfte der Importe aus Entwicklungsländern. Die paar Verordnungen, die es gibt, werden auch von den legalen Firmen und Institutionen eingehalten. Doch es gibt auch illegale Fischerei. Diese illegalen Fischer scheren sich nicht um die Verbote und fischen dennoch die vom Aussterben bedrohten Bestände.

Dabei wird vor allem eine Methode benutzt, die auch in der legalen Fischerei Nutzen findet. Die Fischerei mit Schleppnetzen. Schleppnetze sind gigantische Netze, die an einen Kutter oder an ein anderes Boot gehangen werden. In ihren unteren Rand sind Gewichte eingenäht, die auf den Grund sinken. Es spannt sich somit ein Netz zwischen Boot und Meeresgrund. Das Boot fährt nun weiter und schleift das Netz mit den Gewichten hinter sich her. Dabei wird jedes Lebewesen, was sich im Weg des Bootes befindet, mit dem Netz eingefangen und die Gewichte zerstören zusätzlich noch den Grund des Meeres, der das Zuhause vieler Lebewesen ist. Die versehentlich mitgefangenen Tiere werden wieder zurück ins Meer geschmissen. Dabei ist es egal, in welchem Zustand sie sind.

Dies ähnelt ein wenig der Jagd auf Haie. Haifinnensuppe wird in vielen Teilen der Welt als Delikatesse angesehen, somit kann man mit den teuren Haifinnen gut handeln und viel Geld verdienen. Die Haie werden mit Netzen gefangen und an Bord geholt, um ihnen dann die Finnen abzuschneiden und sie wieder ins Meer zu werfen. Wenn die Haie Glück haben kommen andere Haie und fressen sie. Wenn sie Pech haben verbluten und verwesen die Haie langsam. Nimmt man einem Hai seine Finne, nimmt man ihm die Orientierung und somit kann der Hai nicht mehr wirklich weiter leben. Der Handel mit Haifinnen ist bisher nur in wenigen Ländern, wie Großbritannien, verboten. Die EU importiert jährlich 2.300 Haifinnen.

Quelle: pixabay.com

Eine Alternative zu großen Schleppnetzen sind Aquakulturen. Diese Art der Zucht und Beschaffung von Fischen ist vor allem in Norwegen zu finden. Bei ihr werden Fische einer Sorte in kleinen Käfigen im Wasser eingesperrt. In diesen vermehren sie sich und wachsen heran, bis sie letztendlich weiterverarbeitet werden und bei uns auf dem Teller landen. Zwar ist die Methode besser, als das Fischen mit Schleppnetzen, aber dennoch ist es nicht fehlerfrei. Die Aquakulturen sind nichts anderes als eine Massenzucht. Bricht dort ein Parasit aus, kann dieser sich gut vermehren und die Fische können sich aufgrund des eingeschränkten Raumes nicht wirklich wehren.

Viele große Firmen setzen auf Aquakulturen, da sie etwas nachhaltiger sind als andere Arten der Fischerei. So schreibt die Deutsche See GmbH auf ihrer Website: „Darüber hinaus haben wir den Anteil an Fischen und Meeresfrüchten aus Aquakultur in unserem Sortiment in den vergangenen Jahren nahezu verdreifacht“.

Doch es gibt auch Fischfarmen, die wirklich nachhaltig sind und auf das Wohl der Fische achten. Diese Farmen werden dann vom Aquaculture Stewardship Council (ASC) geprüft und wenn sie von dem ASC als nachhaltig eingestuft werden, wird damit dann auch ordentlich geworben und das Siegel des ASCs befindet sich ganz vorne auf der Verpackung. Wie schade nur, dass ein Reportage 2016 aufzeigte, dass es in den vom ASC als nachhaltig empfundenen Farmen zum Einsatz von Genfutter und zusätzlichen Hormonen kommt. Ebenfalls wurde herausgefunden, dass viele Fische lange Transportwege zu den Farmen zurücklegen mussten. Nachhaltigkeit geht anders. Dennoch rüsten sich Firmen mit dem ASC-Siegel und werben mit Nachhaltigkeit, ohne nachhaltig zu sein. So auch die Deutsche See GmbH, die eine Menge Fische im Sortiment hat, die das Siegel tragen.

Die Fischindustrie besteht aus einem Haufen von profitgeilen Lügnern, die einem Nachhaltigkeit und Fischwohl vorgaukeln. Dabei vergessen die großen Konzerne, die Firmen, die Fischfang betreiben, und die Institutionen wie die EU, dass am Ende alle Menschen an der Überfischung und dem Artensterben leiden. Nehmen wir an, dass die am weitesten verbreiteten Fischarten aussterben. Neben uns Menschen verlieren auch andere größere Fische ihre Nahrungsquelle, die sie teilweise zum Überleben brauchen. Es entsteht ein Teufelskreis, bei dem die nächste Fischart ausstirbt. Dies geht solange weiter, bis es sich wieder einfädelt oder bis der Großteil der Fische ausgestorben ist. Wir fischen wortwörtlich unsere Zukunft weg.

Quelle: pixabay.com

Ich habe meine Bedenken in einer E-Mail formuliert und der Deutschen See GmbH folgende Fragen gestellt:

„Sie unterstützen die Förderung zur Erhaltung des europäischen Aals, dessen Population in den letzten 40 Jahren einen Rückgang von 99% hatte. Währenddessen unterstützen sie auch den Vertrieb von stark überfischten Tierarten, wie Makrelen oder Thunfische. Wie weit muss eine Fischart ausgerottet werden, dass ein großer Konzern (wie sie) sich um ihre Erhaltung kümmert. Und finden sie es in Ordnung, dass sie an der Ausrottung von Fischarten teilhaben, bis einem nichts mehr anderes übrig bleibt als sie zu retten?“

Doch kommen wir zur generellen Firmenpolitik der Deutschen See GmbH. Das Unternehmen ist Teil der PP Group, einer Gruppe aus Fischunternehmen unter der Führung des niederländischen Fischunternehmens „Parlevliet & Van der Plas“. Diese Gruppe arbeitet eng mit dem Bundesverband der Fischindustrie zusammen. Dieser Verband achtet ausschließlich auf die wirtschaftlichen Aspekte des Fischhandels und lässt die Nachhaltigkeit komplett außen vor. Auch hier habe ich eine E-Mail mit Nachfragen hingeschickt:

„Ihre Organisation bezieht sich hauptsächlich auf die wirtschaftlichen Aspekte der Fischindustrie. Dabei werden die Meere stark überfischt und Tierarten sind deswegen vom Aussterben bedroht. Wie schätzen sie die Lage der Population der Meere ein? Und wie kann man die Artenvielfalt der Meere ihrer Meinung nach schützen?“

Die Deutsche See GmbH und der Bundesverband für Fischindustrie antworteten mir. Beide Antworten waren fast identisch. Sowie schickten mir beide einen Bericht der Food and Agriculture Organization of the United States (FAO) zum Thema Fischerei und Aquakulturen als Anhang. In diesem Bericht steht, dass 82,5% der gefischten Fische aus nachhaltigem Fischfang stammen. Hier stellt sich die Frage, wie die FAO Nachhaltigkeit definiert. Zählen Aquakulturen schon als nachhaltig oder ist es nur nachhaltig, wenn der Fisch aus keinem Massenfang oder keiner Massenzucht stammt? Ebenso meint die FAO, dass nur 35,5% der Fischbestände weltweit überfischt sind. Eine ähnliche Prozentangabe (31%) findet man auch auf der Website des Tierschutzverbandes WWF. Allerdings merkt der WWF an, dass 58% der Fischarten kurz vor der Grenze zur Überfischung stehen. In beiden E-Mails steht, dass die Medien es immer wieder als Neuigkeit herausstellen, dass die Meere leer seien und dass dies noch lange nicht so sei. Des Weiteren wurde ich auf die Internetseite „Fischbestände-online“ hingewiesen, auf der ich mich zur Population einzelner Fischarten informieren solle. Die Website gibt die Anzahl der Fischfänge einer Fischart pro Jahr an. Ein Beispiel dafür ist der europäische Kabeljau, der von der WWF und vom Bund für Natur und Umwelt Deutschland als überfischt angesehen wird. 2.422.000 Tonnen werden pro Jahr vom europäischen Kabeljau gefischt, doch Fischbestände-online stuft ihn als angemessen gefischt und als unternutzt ein. Die Fischerei würde es nicht schaffen, einen Fischbestand so zu dezimieren, dass er aussterben würde. Es würden dabei Kosten für die Fischer anfallen, die sie abschrecken, eine solche Fischart zu fischen. Dass die Meere leer werden würden, sei eine Mythe. Tatsächlich gibt es mehrere Tierarten, die aufgrund der Fischerei ausgestorben sind. So meint die WWF, dass der Überfischung schon 80 Süßwasserfischarten zum Opfer gefallen sind, darunter 16 im letzten Jahr. Und auch, dass Fischer aufgrund hoher Kosten vom Fischen mancher Arten ablassen, gilt nur für manche. Wie oben schon erwähnt, gibt es viele illegale Fischereien, die sich nicht um solche Verbote und Kosten scheren. Die Meere sind noch nicht leer, aber wir sind auf dem besten Weg, dies zu ändern.

Doch noch ist es nicht zu spät. Man kann etwas gegen die Überfischung, das Artensterben und die Konzerne unternehmen. Ob man weiter Fisch isst oder seinen Konsum herunterfährt, ist natürlich jedem selbst überlassen, doch sollte man im Hinterkopf behalten, aus welchen Bedingungen sein Essen stammt.

 

 

Frau Korsch, wieso wollten Sie Vertrauenslehrerin werden?

Seit 2008 unterrichtet Katharina Korsch am Gymnasium Horn Deutsch und Sport. Seit dem Jahr 2024 ist sie mit 40,8% der Stimmen die neue Vertrauenslehrerin der Schule. Mit welcher Intention sie an die Sache herangeht und welche Ambitionen sie für das neue Amt hat, fragten wir sie in diesem Interview.

 

Seit wann sind Sie am Gymnasium Horn und welche Fächer unterrichten Sie?

Ich bin seit Mai 2008 am Gymnasium Horn und unterrichte Deutsch und Sport.

Seit dem neuen Jahr sind Sie Vertrauenslehrerin vom Gymnasium Horn. Sie haben die Wahl mit 40,8 Prozent der Stimmen gewonnen. Was denken Sie, warum Sie gewählt wurden?

lachend. Weil ich so ein lieber Mensch bin. Nein, ich weiß es nicht. Diese Frage gebe ich eigentlich lieber zurück. Warum junge Menschen mir vertrauen, können sie sich ja am besten selber beantworten. Ich würde mir selbst auch vertrauen und freue mich deswegen auch darüber, dass andere das auch tun.

Wieso haben Sie sich für das Amt der Vertrauenslehrerin aufstellen lassen?

Ich habe mich aufstellen lassen, weil ihr mich gefragt habt. Die erste Voraussetzung dafür, dass ich kandidiere, war, dass ich mich nicht selbst anbieten wollte. Ich finde es sinnvoller und netter, wenn Schüler selbst den Wunsch äußern, dass ich mich aufstellen lasse.

Warum finden Sie, dass Sie für das Amt geeignet sind?

Ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen seit ungelogen über 30 Jahren fast täglich zusammen, also seitdem ich 19 Jahre alt bin. Ich habe schon so viele Kinder und Jugendliche in Kinder- und Jugendeinrichtungen betreut, dass ich ganz viele verschiedene Schicksale kennengelernt habe. Deswegen bin ich auch der Meinung, dass ich mich in die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen gut einfühlen kann. Deshalb sehe ich mich da auch als geeignete Person.

Wo haben Sie denn vorher gearbeitet?

Einmal in einem Jugendfreizeitheim, das heißt die Bude in der Neuen Vahr Nord. Dann habe ich irgendwann im Freizeitheim Stackamp gearbeitet, was ein Brennpunkt ist. Es gab dort einen Sonderbereich, der Lückeprojekt hieß. Dort konnten junge Menschen leben zwischen zehn und fünfzehn leben, die dort hingekommen sind, weil sie zuhause niemand erwartet, weil sie kein Mittagessen vorfinden und sich eben generell nicht genug um sie gekümmert wird. Also habe ich mich um sie gekümmert. Der Job war fast noch fordernder als mein Beruf jetzt als Lehrerin, weil manche Menschen eben wirklich schlimme Schicksale mitgebracht haben. Das war auch erstmal begleitend zum Studium, weil ich mir natürlich auch mein Geld verdienen musste.

Dann haben Sie ja schon reichlich Erfahrungen mit Kindern. Was erwarten Sie denn von diesem Amt?

Eigentlich erwarte ich gar nichts. Ich bin einfach da, für alle die, die von mir etwas erwarten und sich mir öffnen möchten. Ich bin offen für alle, die ihre Probleme mit mir teilen möchten und dies nicht an anderer Stelle tun können.

Also haben Sie noch keine wirklichen Vorstellungen von dem, was da genau auf sie zukommt?

Nicht so wirklich. Ich habe mich schon einmal mit Frau Lührs zusammengesetzt, die mir auch direkt eine Broschüre zu dem Thema gegeben hat. Eine Erwartung ist, wo ich gerade über nachdenke, dass ich eng mit euch als Schülervertretung zusammenarbeiten werde. Ich gehe davon aus, dass wir in engem Kontakt sein werden und wir auch Projekte zusammen angehen können.

Meinen Sie, dass Sie die mit dem Amt verbundenen Aufgaben gut bewältigen können?

Ja.

Welche Erwartungen haben Sie dabei an sich selbst?

Meine Erwartung an mich selbst ist, den Schüler:innen gerecht zu werden. Natürlich auch in Punkten, wo das wirklich schwierig wird, weil es das System der Schule nicht so hergibt. Was ich mir als Aufgabe gesetzt habe, ist, mich für das Amt auch weiterzubilden. Ich werde nach Fortbildungen gucken, um das Amt so gut wie es geht ausführen zu können.

Was sind Ihre Ziele für das Jahr in Bezug auf Ihr neues Amt?

Die Fortbildungen sind ein Ziel von mir. Ein weiteres Ziel wäre, dafür zu sorgen, dass wir einen Raum bekommen, in dem wir uns ungestört mit Schüler:innen zurückziehen können, für ein Gespräch im Rahmen des Amtes. Darüber habe ich auch mit Frau Lührs gesprochen und wir waren uns einig, dass es so, wie es bisher ist, nicht gut ist. Der Glaskasten im Lehrerzimmer ist natürlich doof, weil man da für alle Lehrkräfte sichtbar ist. Der Horn Plus Raum wäre ein weitgehend ungenutzter Raum, der für die Zwecke sehr gut geeignet wäre.

Was wollen Sie in Ihrem Beruf als Lehrerin dieses Jahr anders machen als letztes Jahr?

Neujahrsvorsätze habe ich eigentlich nie. Ich bin mit meinem Leben wirklich zufrieden. Wenn mal Probleme auftreten, gehe ich sie direkt an. Ich kenne auch meine Schwächen.

Was sind denn Ihre Schwächen?

Meine Schwäche ist zum Beispiel, dass ich im Unterricht zu viel außerhalb vom Thema rede. Und dass ich mich immer selbst ablenke. Ich kann mir gut vorstellen, dass man mir früher, wenn es das damals schon gegeben hätte, ADHS oder ähnliches diagnostiziert hätte.

Was würden Sie am Gymnasium Horn verändern, wenn Sie es könnten?

Ich würde damit anfangen, den Unterricht später beginnen zu lassen. Dann würde ich gerne Lerninseln einführen. Das bedeutet, dass sich Kinder und Jugendliche zu gemeinsamen Themen in verschiedene Räumlichkeiten zurückziehen können und zusammen an Projekten arbeiten können.

Das sind aber leider Dinge, die sehr schwierig umzusetzen wären und wofür auch das Geld fehlt. Ich rede normalerweise nicht so gerne darüber, was ich in der Theorie verändern wollen würde, sondern ich versuche eigentlich immer, in dem Rahmen zu handeln, der vorgegeben wurde und ihn so weit auszudehnen, wie es geht.

Was sind denn Beispiele dessen, was Sie jetzt bereits tun?

Was ich gerne mache, ist im Deutschunterricht anstatt von schriftlichen Klassenarbeiten eher auf Arbeitsersatzleistungen zurückzugreifen, weil ich finde, dass manche in dieser schriftlichen Form versagen. Dann ist es nett, wenn sie ein Format finden, in dem sie auch mal glänzen können. Das heißt gar nicht, dass sie das schriftliche nicht lernen sollen, aber da gibt es auch andere Zeitpunkte für. Beispiele für solche Arbeiten sind, einen Film zu drehen oder ein Lesetagebuch zu erstellen. Das sind Maßnahmen, die man im Deutschunterricht gut umsetzen kann.

Wie haben Sie sich auf das Amt vorbereitet?

Noch gar nicht, bis auf das Gespräch mit Frau Lührs.

Mit welchen Themen kann man sich an Sie wenden?

Ich glaube mit allen Themen, wenn man möchte. So sehe ich mich als Vertrauenslehrerin. Was das Schulische betrifft sowieso: Wenn es Probleme zwischen Schüler:innen untereinander gibt oder welche zwischen Schüler:innen und Lehrer:innen. Aber auch wenn es mal etwas Privates ist. Da sehe ich mich sogar noch ein bisschen mehr, weil ich immer denke, dass ich da ein gutes Glied bin, wenn man nicht alles mit seine:r Klassenlehrer:in oder Fachlehrer:in besprechen möchte. Und vor allem auch wer seine Probleme nicht mit den Eltern besprechen möchte, kann gerne zu mir kommen.

Ich bin zwar keine Psychologin, aber ich bin davon überzeugt, dass ich Kinder und Jugendliche in ihrem emotionalen Durcheinander gut betreuen kann.

Denken Sie, dass Sie bei allen Problemen selbst helfen können?

Nein, das wird ja nie so sein. Wenn ich aber ein Problem nicht bewältigen kann, dann verweise ich auf andere Stellen, die dafür gut geeignet sind. Dafür gibt es auch klare Richtlinien, was ich zu tun habe, wenn bestimmte Fälle auftreten. Wenn etwas beispielsweise in Richtung Suizid geht, dann ist der rechtliche Rahmen, dass ich das melden muss.

Wo findet man Sie und wie kann man Sie erreichen?

Man findet mich immer hier in der Schule außer montags im Moment. Erreichen kann man mich über itslearning. Das heißt nicht, dass ich alle fünf Minuten auf itslearning gucke, aber wenn man mich erreichen möchte, dann findet man mich.

Vielen Dank für das Interview.

 

 

Herr Wolpmann, wieso wollten Sie Vertrauenslehrer werden?

Seit 2017 unterrichtet Tim Wolpmann am Gymnasium Horn Physik und Biologie. Seit dem Jahr 2024 ist er mit 51,5% der Stimmen der neue Vertrauenslehrer der Schule. Mit welcher Intention er an die Sache herangeht und welche Ambitionen er für das neue Amt hat, fragten wir ihn in diesem Interview.

 

Seit wann sind Sie an der Schule und welche Fächer unterrichten Sie?

Ich bin seit 2017 am Gymnasium Horn. Ich habe hier damals als Vertretungslehrkraft begonnen und anschließend mein Referendariat absolviert. Seit 2019 bin ich reguläre Lehrkraft. Ich unterrichte Physik, Biologie und auch Digitale Medien.

Nun sind Sie seit dem neuen Jahr Vertrauenslehrer und wurden von 51,5 Prozent der Schülerschaft gewählt. Was denken Sie, warum Sie gewählt wurden?

Mir ist es wichtig, Schüler/innen auf Augenhöhe zu begegnen. Ich glaube, dass ich dadurch in der Vergangenheit immer ein ganz gutes Verhältnis zu meinen Schüler/innen hatte. Ich könnte mir vorstellen, dass dadurch viele Vertrauen zu mir haben.

Wieso haben Sie sich denn als Vertrauenslehrer aufstellen lassen?

Die Schülerschaft ist auf mich zugekommen und hat mich für diese Aufgabe vorgeschlagen. Ich weiß nicht, ob ich mich beworben hätte, wenn das nicht der Fall gewesen wäre. Ich habe mich dann aufstellen lassen, weil ich die Aufgabe des Vertrauenslehrers als sehr wichtig einschätze. Es ist wichtig, dass die Schüler/innen eine Person haben, mit der sie vertrauensvoll reden können. Und ich finde die Aufgabe auch einfach interessant.

Warum finden Sie, dass Sie für das Amt geeignet sind?

Ob ich das tatsächlich bin, müssen andere beurteilen. Aber ich denke, dass ich ganz empathisch mit Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern kommunizieren kann und mich für das Wohl der Schüler/innen engagiere. In vergangenen Konfliktsituationen, die ich miterlebt habe, konnte ich betroffenen Schüler/innen eigentlich immer ganz gut helfen. Ich denke, dass ich für viele Problemsituationen Lösungsstrategien kenne.

Was erwarten Sie denn von dem Amt oder welche Vorstellungen haben Sie?

Ich denke, dass das Amt mit vielen verschiedenen Aufgaben verbunden ist. In erster Linie gehe ich davon aus, dass sich Schüler/innen mit persönlichen Problemen an mich bzw. uns wenden. Ich könnte mir z.B. vorstellen, dass es hierbei um Probleme mit Mitschüler/innen oder auch Lehrkräften geht. Hier bieten wir Vertrauenslehrkräfte einen geschützten, vertrauensvollen Raum an, wo alle Schüler/innen frei reden und ihre Sorgen loswerden können. Das Amt ist mit einer Schweigepflicht verbunden. Sensible Informationen, die uns im Rahmen unseres Amtes anvertraut werden, geben wir also nicht ohne Zustimmung der betroffenen Personen weiter.

Haben Sie als Vertrauenslehrer Ziele für das neue Jahr?

Ein Ziel, das ich immer habe, ist persönliche Weiterentwicklung. Ich habe die Hoffnung, dass ich im Rahmen dieser neuen Aufgabe mit Situationen konfrontiert werde, von denen ich für die Zukunft lernen kann.

Gibt es etwas, das Sie dieses Jahr als Lehrkraft anders machen wollen als letztes Jahr?

Ich habe mir selbst langfristige Ziele gesetzt, die ich als Lehrer erreichen möchte. Ich habe z.B. eine Vorstellung davon, wie guter Unterricht aussieht. Den damit verbundenen eigenen Ansprüchen versuche ich einfach gerecht zu werden. Daran arbeite ich.

Was sind diese Vorstellungen oder Erwartungen an sich selbst?

Ich möchte zeitgemäßen und innovativen Unterricht machen. Dafür muss man sicherlich mit der Zeit gehen und auch Möglichkeiten der voranschreitenden Digitalisierung ergreifen.

Was würden Sie gerne an der Schule verändern, wenn Sie könnten?

Das ist eine komplexe Fragestellung, über die man lange diskutieren kann.

Ich empfinde es auf jeden Fall als sehr problematisch, dass unsere Klassen viel zu groß sind. Mich persönlich frustriert es, dass ich viele Schüler/innen gar nicht so individuell fördern kann, wie ich gerne würde. Ich würde gerne viel mehr auf die Bedürfnisse einzelner Schüler/innen eingehen können. Und in großen Klassen ist die Lernatmosphäre sicherlich auch immer schlechter als in kleinen Klassen.

Ich denke grundsätzlich auch, dass das gesamte Bildungssystem überarbeitet werden muss. Es geht im Kern zu wenig um individuelle Förderung.

Schlussendlich kann man aber nur im Bereich der eigenen Handlungsmöglichkeiten agieren. Mir ist schon klar, dass viele notwendige Veränderungen in der Realität schwer umsetzbar sind. Daher sollte jeder das Beste aus der Situation machen.

Wie helfen Ihre Erfahrungen als Tutor im Amt des Vertrauenslehrers?

In meiner Tätigkeit als Tutor/Klassenlehrer arbeite ich selbstverständlich auch vertrauensvoll mit Schüler/innen zusammen und war dadurch auch schon mit einigen Problemsituationen konfrontiert. Die dabei gesammelten Erfahrungen kann ich sicherlich mit in das Amt des Vertrauenslehrers einbringen.

Wie haben Sie sich auf das Amt vorbereitet?

Ich denke, dass ich für viele Problemsituationen bereits Lösungsstrategien kenne und Schüler/innen gut helfen kann. Dennoch gibt es natürlich Situationen, mit denen ich bisher selbst wenig Berührungspunkte hatte und mich über bewährte Lösungswege informieren muss. Zu diesem Anlass bilde ich mich entsprechend fort.

Mit welchen Problemen wendet man sich aus Ihrer Sicht an Vertrauenslehrer?

Mit sämtlichen Problemen, über die man sprechen möchte und ggf. selbst keine Lösung findet. Ein paar Beispiele:

  • Man hat ein privates Problem im familiären Bereich.
  • Man hat ein Problem mit Mitschüler/innen.
  • Man erkennt bei Mitschüler/innen eine problematische Situation und weiß nicht, wie man helfen kann.
  • Man hat ein Problem mit Lehrkräften.

In all diesen Situationen kann man das Gespräch mit uns Vertrauenslehrkräften suchen. Wir bieten, wie bereits erwähnt, für jede Art von Problem einen geschützten, vertrauensvollen Raum an, wo alle Schüler/innen frei reden und ihre Sorgen loswerden können.

Wo findet man Sie und wie kann man Sie erreichen?

Am besten kontaktiert man mich auf itslearning. Ich antworte in der Regel immer sehr schnell. Ansonsten bin ich in Freistunden häufig in der Physiksammlung – also dort, wo auch meine iPad-Sprechstunde stattfindet.

Vielen Dank für das Interview.

 

 

Gefahren der Künstlichen Intelligenz: Chancen, Risiken und Verantwortung

Immer mehr Menschen reden von Gefahren Künstlicher Intelligenz. Über Schüler:innen, die nichts mehr lernen, über Arbeitsplätze, die wegfallen oder gar die Übernahme der Menschheit. Doch kann dies wirklich passieren? Und wie würde das genau aussehen?

Künstliche Intelligenzen gab es bereits vor ChatGPT. Siri, Google Home und auch E-Mail Spamfilter nutzen alle Künstliche Intelligenz. Der Boom um das Ganze begann erst mit der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022. Anschließend wurden im Eiltempo viele verschiedene Künstliche Intelligenzen programmier und für jeden zugänglich gemacht. Darunter weitere textbasierte Programme wie Google Bard oder Perplexity.  Auch bild- sowie videobasierte KIs wie D-ID, Midjourney und noch vieles mehr wurden veröffentlicht

Funktionsweise von Künstlichen Intelligenzen

Künstliche Intelligenzen werden zuerst mit riesigen Mengen von Daten trainiert. Daraus lernen sie, diese menschengemachten Eigenschaften zu übernehmen, mit denen sie trainiert wurden. Am Beispiel ChatGPT: Unmengen an Büchern, Artikeln und Websites geben dem Programm einerseits Informationen, andererseits die Fähigkeit, die Schreibweisen von Menschen zu übernehmen und zu lernen, Texte ähnlich wie ein Mensch zu verfassen. Dabei werden auch Verbindungen gelegt, die man mit den Neuronen in einem Gehirn vergleichen kann. Der Durchschnitt dieser Trainingstexte ist sozusagen das, was ChatGPT von sich gibt.

Wenn nun ein Nutzer eine Frage oder eine Aufgabe stellt, berechnet das Programm auf der Grundlage seiner Trainingstexte, welches Wort es als nächstes “ausspucken” soll. Hierbei gibt es allerdings einige Probleme: es kommen viele inhaltliche Fehler vor. Wenn ChatGPT zu einem bestimmten Thema keine genaue Antwort hat, kann es sein, dass es die wahrscheinlichste Antwort ausspuckt. Diese Antwort ist jedoch häufig nicht richtig. Auch erfindet es durch genau dieses Problem Zitate oder Quellen, die ihm helfen, den Text zu vervollständigen. Du solltest Informationen, die du von Künstlichen Intelligenzen bekommst, also immer mit Vorsicht genießen.

Ein weiteres Problem ist die Diskriminierung durch Künstlichen Intelligenzen. Da der  Durchschnitt der Trainingstexte widergespiegelt wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich darunter diskriminierendes Gedankengut befindet. Nachdem einige Nutzer auf diese Probleme aufmerksam machten, wurden den Programmen Sperren auferlegt, die es ihnen unmöglich machen sollen, diskriminierende Inhalte von sich zu geben. Oft finden Nutzer:innen Wege, auch diese Sperren zu umgehen

All diese Informationen kann man natürlich auch auf andere Künstlichen Intelligenzen übertragen, die beispielsweise Bild-, Video- oder Audiomaterial generieren können. Wenn man Bild-KIs beispielsweise nach einem Bild von Pflegepersonal fragt, werden in den allermeisten Fällen Frauen generiert. Auch das sind genau die Stereotypen aus unserer Gesellschaft, die Künstliche Intelligenzen übernehmen. [Q1]

Gefahren für den Arbeitsmarkt

Zur Gefährdung der verschiedenen Berufsgruppen hat der Schweizer Wissenschaftler Dario Floreano mit seinem Team zusammen den “Automatisierungs-Risiko-Index” erstellt. Dieser Index gibt an, inwiefern Roboter bzw. Künstliche Intelligenz die Berufsausübenden in bestimmten Berufen ersetzen können. Bei dieser Untersuchung stellte sich heraus, dass Metzger:innen die größte Gefahr laufen, irgendwann vollständig durch eine Künstliche Intelligenz abgelöst zu werden. Andere gefährdete Berufe sind Taxifahrer:innen und Kassierer:innen. Auf der anderen Seite dieser Skala stehen Physiker, Chirurgen und Ärzte sowie Piloten und Fluglotsen. Diese laufen demnach kaum Gefahr, abgelöst zu werden.

Eine andere Studie kam zu dem Schluss, dass sich vor allem Programmierer, Mathematiker, Buchhalter, Dolmetscher sowie Schriftsteller und Journalisten auf eine große Umstellung gefasst machen müssen. Hierbei geht es jedoch nicht darum, dass diese Berufe wegfallen könnten. Vielmehr geht es um die Umstellung beziehungsweise die Veränderung innerhalb dieser Berufsgruppen.

Der Rechtsanwalt ist beispielsweise ein solcher Beruf. Der Ökonom Jens Südekum machte das an einem Beispiel fest: wenn eine Künstliche Intelligenz einige Aufgaben von einem Rechtsanwalt übernehmen würde, könnte dieser sich mehr auf die Arbeit mit seinen Mandanten konzentrieren. Der Beruf würde sich also stark wandeln, jedoch eher in das Positive als in das Negative. Ähnlich ist das bei vielen anderen Berufen. Es kann also gut sein, dass die Künstliche Intelligenz die Produkte, an denen sie mitarbeitet, perfektioniert. [Q2] [Q3]

Auswirkungen auf den Schulalltag

Auch die Institution Schule wird sich durch die Einsetzung von Künstlicher Intelligenz stark wandeln. Jetzt bereits sieht man die ersten Veränderungen: Projektarbeiten werden teilweise durch andere Projekte ersetzt aus wahrscheinlich berechtigter Angst, Schüler:innen könnten ihre Projektarbeiten mit Künstlichen Intelligenzen schreiben. Denn dies ist bereits passiert. 32,3% der Befragten einer itslearning-Umfrage im Kurs Schülerschaft Gymnasium Horn gaben an, Künstliche Intelligenzen generell mittel viel zu benutzen. Der Vorteil von Künstlichen Intelligenzen ist ja mitunter, dass sie nicht nur reine Informationen liefert, sondern fertige Ergebnisse, die man in einigen Fällen ohne Veränderung abgeben kann.

Auf die Frage, wie Künstliche Intelligenz unseren Schulalltag verändern wird, gibt es leider keine eindeutige Antwort. Wissenschaftler prognostizieren jedoch, dass sie vor allem den Teil der Wissensvermittlung übernehmen wird. Die Lehrpläne würden gekürzt, was den Vorteil bietet, dass man sich mehr auf andere Dinge konzentrieren könnte. Klar ist auch hier: die Künstliche Intelligenz wird niemanden ersetzen, die Berufe jedoch stark verändern. Und zwar auch hier in die positive wie auch in die negative Richtung. Positiv ist, dass sie den Lehrkräften ihren Job vereinfachen können. Diese können sich dann auf die einzelnen Bedürfnisse ihrer Schüler:innen konzentrieren. Nachteile könnten sein, dass Schüler:innen weniger lernen und viele der Schulaufgaben an die Künstliche Intelligenzen abgeben. Dabei geht auch ein großer Bildungsfaktor verloren.

Wichtig ist es, gute Regeln, Richtlinien und Fortbildungen für die Nutzung von Künstlichen Intelligenzen zu schaffen. Es sollte beispielsweise für Schüler:innen nicht möglich sein, ihre Schulaufgaben vollständig durch Künstliche Intelligenzen erledigen zu lassen. Für die Recherche sowie Inspiration oder Hilfe bei Formulierungen etc. müsste es jedoch legitim sein, sie einzusetzen. [Q4] [Q5]

Gefahren für die Menschheit

Weitere Gefahren beziehen sich auf die gesamte Menschheit. Dies sehen auch bekannte Menschen und Experten. In einem offenen Brief forderten mehr als 1000 Menschen aus dem IT Bereich – unter ihnen auch Elon Musk – eine Entwicklungspause für Künstliche Intelligenzen. Diese Entwicklungspause soll dazu genutzt werden, Richtlinien und Regeln für Künstliche Intelligenzen zu schaffen, sodass diese sich nicht unreguliert weiterentwickeln und irreversible Schäden anrichten können. Die Verfasser des offenen Briefs sprachen von „tiefgreifenden Risiken für die Gesellschaft und die Menschheit”. Genau genommen forderten sie eine sechsmonatige Pause aller Künstlichen Intelligenzen, die leistungsfähiger als ChatGPT-4 und ChatGPT-5 sind.

Aber was ist denn genau die Angst dieser Menschen? Und ist diese berechtigt? Wie bereits erklärt, probieren Künstliche Intelligenzen, wie ein Mensch zu handeln und zu wirken. Wenn sie dies einmal perfekt schaffen sollte, würde dies sehr schlimme Folgen haben. Fake News könnten in unaufhaltsamer Geschwindigkeit verbreitet werden, durch Deepfake-Videos können nicht nur unter Privatpersonen Probleme entstehen, auch diplomatische Verhältnisse könnten darunter leiden.

Vor ein paar Wochen erst verbreitete die politische Gruppierung Zentrum für politische Schönheit, welche ein Verbot der rechten Partei AfD fordert, ein Video, in welchem der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz zum Volk zu sprechen scheint. Er redet von einer Bedrohung für unser Land: die AfD. Mit spannender Musik und dem Kanzleramt im Hintergrund wirkt es auf den ersten Blick wie ein echtes Video. Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch schon einige Unstimmigkeiten: die Mundbewegungen stimmen nicht ganz mit dem Text überein. Auch zucken die Mundwinkel das ein oder andere Mal, was ein wenig unnatürlich wirkt. Es ist also leicht zu enttarnen. Die Technologie ist jedoch auch erst an seinem Anfang. Bei der rasanten Geschwindigkeit der Entwicklung ist die Angst darüber, wo uns das Ganze hinführen wird, womöglich berechtigt. Künstliche Intelligenzen sind also nicht nur eine Gefahr für den Schulalltag, für unseren Arbeitsmarkt, sondern auch für unsere Demokratie.

Auch die Aufrüstung ist ein wichtiges Thema auf diesem Gebiet. Viele Experten schätzen die Gefahren der Künstlichen Intelligenz etwa so hoch ein wie die einer Pandemie oder sogar eines Atomkrieges. Jetzt bereits wird bei dieser neuartigen Technologie zur Aufrüstung geforscht. Das zum Beispiel im Luftkampf. Es wird ein Wettrüsten befürchtet, ähnlich wie bei Atomwaffen.

Künstliche Intelligenzen können ab einem bestimmten Punkt unkontrollierbar werden. Wenn sie zu viele unserer Aufgaben übernehmen, nehmen sie auch zu viel Einfluss auf unser System. Sowohl auf das staatliche, als auch auf das wirtschaftliche. Das kann auch unter gewissen Umständen Schäden anrichten, die nicht mehr umkehrbar sind. [Q6][Q7]

Allgemeine Künstliche Intelligenz

Und nun zum meist gefürchtetsten Punkt unter den Gefahren der Künstlichen Intelligenzen: die Allgemeine Künstliche Intelligenz, welche es so noch nicht gibt. Sie könnte alle Aufgaben eines Menschen übernehmen, sozusagen alle Künstlichen Intelligenzen gebündelt. Sie ist also eine ultimative Künstliche Intelligenz, die vollständig wie ein Mensch handelt und agiert. Die Angst, die viele Menschen haben, besteht daraus, dass sie sich, auch wenn sie bereits so ist wie ein Mensch, immer weiterentwickelt und somit besser wird als der Mensch. Wenn dies Überhand annimmt, könnte es in einem sehr theoretischen Fall zu einer Übernahme der Menschheit kommen. Doch zuerst war auch die Definition eines solchen Programms gar nicht eindeutig. Das Google DeepMind-Team publizierte, um ein wenig Klarheit zu schaffen eine genaue Definition zu dem Thema. Die folgenden fünf Punkte müssen (kurz zusammengefasst) in ihren Augen zutreffen, um etwas eine Allgemeine Künstliche Intelligenz nennen zu können.

  1. Entstehend (etwa hochmoderne Chatbots wie ChatGPT und Bard)
  2. Kompetent
  3. Fachkundig
  4. Virtuos
  5. Übermenschlich (die eine breite Palette von Aufgaben besser als alle Menschen erledigen, einschließlich Aufgaben, die Menschen überhaupt nicht erledigen können, wie das Dekodieren der Gedanken anderer Menschen, die Vorhersage zukünftiger Ereignisse und das Sprechen mit Tieren).

Wirkliche Maßstäbe und Definitionen für diese Form von Künstlicher Intelligenz gibt es jedoch nicht. Einige Fragen sind noch ungeklärt. Zudem ist es auch möglich, solche superintelligenten Maschinen zu bauen, die trotzdem vollkommen vom Menschen gesteuert werden. [Q8]

Disclaimer

Wichtig ist jedoch auch, sich vor Augen zu halten, dass dies alles nur theoretische Szenarien sind, die nicht unbedingt so auftreten werden. Wenn genug Regulierungen für die Künstlichen Intelligenzen geschaffen werden, ist es gut möglich, dass sie uns im Alltag schlicht und einfach unterstützen und keine bis wenig negative Einflüsse auf unser Leben nehmen wird.

[Q9]

 

Quellen

[Q1] https://www.youtube.com/watch?v=fT69SLK2m9I

[Q2] https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/berufe-kuenstliche-intelligenz-100.html

[Q3] https://www.ing.de/wissen/aussterbende-berufe/

[Q4] https://www.teachis.net/de/wissen/kuenstliche-intelligenz-in-der-schule/

[Q5] https://www.forum-verlag.com/blog-bes/ki-in-der-schule

[Q6] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2023-01/kuenstliche-intelligenz-experten-gefahren-ki-offener-brief

[Q7] https://www.heise.de/hintergrund/Wie-schwer-es-ist-kuenstliche-allgemeine-Intelligenz-zu-definieren-9533724.html

[Q8] https://www.mdr.de/wissen/kuenstliche-intelligenz-gefahren-102.html

[Q9] https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/digitalisierung/6-thesen-zur-kuenstlichen-intelligenz/

 

 

Das Gymnasium Horn als Hotspot des Schlafmangels? – Schlafstörungen, ihre Folgen und ein paar Denkanstöße

8:00 Uhr. Morgens. Todmüde. Lust auf Bio? Eigener Wille oder lieber die gute Note? Dass das morgendliche Aufstehen vielen Schülern schwer fällt, ist ein offenes Geheimnis. Gerade bei Schülern der älteren Jahrgänge ist dies nicht zuletzt auf oft deutlich zu kurze Schlafenszeiten zurückzuführen. Diesbezüglich kommentierte ein Schüler aus der jetzigen Q1: „Ja Bruder, schau mal das Ding ist, am Ende liegt es bei einem selber“. 

Doch gehen wir der Problematik einmal etwas genauer auf den Grund, scheinen durchaus kollektive Probleme mit dem Schlafrhythmus zu existieren. Interessant ist in diesem Kontext auch ein Vergleich der Schlafgewohnheiten zwischen den Ferien und der Schulzeit. In einer Umfrage an unserer Schule, an der über 200 Schüler teilnahmen, zeichnete sich ein klares Bild. So ergibt sich im Durchschnitt eine circa 90 Minuten längere Schlafdauer während der Ferien.

In der Schulzeit pendeln sich die Mittelwerte dabei deutlich unter den empfohlenen Durchschnitts-Schlafzeiten von etwa 9 Stunden am Tag ein. Die konkrete Durchschnittszeit von gerundet 4,5 Stunden Schlafaufkommens ist jedoch infrage zu stellen, nicht zuletzt, weil auffällig oft vier oder weniger Stunden als Schlafdauer genannt worden sind. Das allgemeine Bild ist dennoch nicht von der Hand zu weisen. Unterstützt wird dies durch ein Interview, dass wir mit einem weiteren Schüler der Q1 zum Thema Schlafstörungen führen konnten.

 

Hast du irgendwelche Schlafbeschwerden?

Ja, meine Übermüdung, wenn ich aufstehe. Weil ich sonst einfach nicht aufstehe, wenn ich nicht zur Schule muss.

Hast du morgens Motivationsprobleme?

Ja.

Wirken die sich auch auf den restlichen Alltag aus?

Ja, klar.

Würdest du sagen, die Schule hat einen Einfluss auf dein Schlafverhalten?

Ja, hat sie und der ist jetzt nicht förderlich, der Einfluss.

Wie würdest du dein Schlafverhalten beschreiben?

Ja, also ich würde sagen, ich gehe so zwischen 1.00 Uhr und 3.00 Uhr ins Bett, um dann um 6.30 Uhr wieder aufzustehen.

Unabhängig von der Schule auch?

Ja, aber da stehe ich nicht immer so früh auf. Meistens dann erst um 11.00 Uhr.

 

(Anmerkung der Autoren: Unser Interview-Partner war zum Zeitpunkt des Interviews stark übermüdet (12:50 Uhr))

 

In diesem Fall lassen sich somit sogar die geringen Schlafaufkommen, die in der Umfrage für Verwunderung sorgen, an einem konkreten Beispiel ausmachen.

Doch auch weniger extreme Fälle sind zu vermerken. So schrieb ein Schüler:

„Mir bekannte Beschwerden sind: Einschlafprobleme; teilweise große/r Sorgen/Stress bezüglich des anstehenden Schultages, sowie aller diesen betreffenden anstehenden Aufgaben, aber auch langfristige Aufgaben oder die Richtigkeit bereits erledigter Aufgaben betreffend; evtl. Probleme durchzuschlafen; teilweise Müdigkeit am nächsten Tag.“

Womit er durchaus die Ansichten mehrerer Schüler teilt, schließlich schrieb ein anderer Schüler auf die Frage, welche Schlafbeschwerden ihm bekannt seien: „Schlafmangel und dadurch stetige Müdigkeit im Schulalltag, der ja bereits den halben Tag klaut und danach ist man wieder müde. Die Schule ist ein Ort der Trostlosigkeit, der Schlafmangel alltäglich“, und wieder ein anderer: „Bin jetzt Q2 und es hat sich erst seit der Oberstufe so stark entwickelt (meine Noten bleiben trotzdem gut, aber ist halt eine extrem starke Belastung) 

Es sollte definitiv in allen Jahrgängen, aber auch in den jüngeren, wo die Noten noch nicht zählen, deutlich mehr gegen Stress getan werden.“ Mehrere Stimmen sehen dabei die Probleme bei den Hausaufgaben. Unter anderem wird angemerkt, man komme zu spät nach Hause und könne mit den Hausaufgaben nicht früh schlafen gehen. Auch wird das Problem einer Vereinbarkeit der Schule mit Hobbys angeschnitten. Konkrete Lösungsansätze liefern dabei wenige Schüler, eine Person jedoch notiert: „Schule sollte später anfangen und dafür vielleicht G9 und nicht G8 [gewählt werden], damit man nicht so lange Schule hat und Zeit für Hobbys etc. da ist“. Ein Ansatz, dem zwar schon mehrfach versucht wurde, nachzugehen, der bislang allerdings keine Aussichten auf Erfolg erhoffen ließ.

Doch die Problemstellung eines zu geringen Schlafaufkommens ist nicht zu missachten. Insbesondere Stresserscheinungen, sowie depressive Neigungen nehmen im Zusammenhang mit Müdigkeit bedeutend zu. Das wiederum senkt die schulischen Leistungen und steigert die wahrgenommene Belastung. In vielen Fällen ein „Teufelskreis“, senkt sich doch auch die Produktivität im müden Zustand deutlich. Die Folge – Aufgaben verzögern sich und werden mit in den Abend genommen, führen zu späteren Schlafenszeiten und beschäftigen noch bis in die Nacht hinein.

Handys als Schlafblocker

Doch nicht nur die äußere Belastung nimmt Einfluss auf die Schlafgewohnheiten, auch die  Nutzung mobiler Endgeräte verstärkt das Auftreten von Schlafstörungen. Die DAK-Krankenkasse gibt in diesem Kontext bekannt: „Der Präventionsradar belegt, dass der Schlafmangel in Zusammenhang steht mit den stark erhöhten Bildschirmzeiten der Schüler: Viele sitzen mehr als vier Stunden täglich vor Fernseher, Smartphone oder Tablet. Knapp ein Fünftel zeigt depressive Symptome. Die Krankenkasse hat die aktuelle Schulstudie mit dem Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) in sechs Bundesländern durchgeführt“ Weiter weiß die Krankenkasse festzustellen: „Nur 35 Prozent der Schüler sind ausreichend körperlich aktiv.“ Denn auch dem sportlichen Ausgleich kann eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der eigenen Schlafgewohnheiten zukommen.

Fassen wir also zusammen. Schlafmangel fördert das Stressempfinden und senkt die Leistungen. Nichtsdestotrotz sind viele Schüler des Gymnasiums Horn betroffen, geben an, unter den typischen Symptomen zu leiden und versuchen zum Teil sogar aktiv auf ihren Schlafrhythmus einzuwirken. Allgemein sind zahlreiche Gründe bekannt, auf die die Schlafgewohnheiten der Schüler zurückgeführt werden können. Eigene Angaben legen jedoch nahe, dass auch das Schulsystem selbst mit Hausaufgaben und langen Schultagen seinen Anteil beisteuert. Änderungen diesbezüglich liegen allerdings noch in weiter Ferne.

Um euch dennoch an die Hand zu nehmen, gerade weil viele angaben, ihren Schlaf aktiv verbessern zu wollen, hier unser absolut hilfreicher Schlaf-Ratgeber:

Für den ersten Punkt möchten wir noch einmal Bezug auf die Umfrage nehmen. Wir zitieren zur Frage, ob Beschwerden in Bezug auf Schlafprobleme bekannt sind: „Chronische Masturbationssucht“, um nur ein Beispiel zu nennen, denn nebenbei: Dass Alkohol und Drogen eher weniger empfehlenswert sind, setzen wir erstmal voraus. Deshalb unser erster Tipp:

Auch „Rotlicht“ auf dem Handy fällt unter „Blaulicht Belastung“. 

Die Bildschirme des Handys, Tablets, Laptops oder auch Fernsehers strahlen künstliches, blaues Licht aus. Dieses Licht hemmt die Ausschüttung von Melatonin, einem wichtigen Hormon, welches zum Einschlafen, beziehungsweise zum Durchschlafen beiträgt. Benutzen wir also am Abend fürs Entertainment, oder natürlich für alles andere, was sonst noch vor dem Bildschirm passiert ;), unsere Endgeräte, so bringen wir unseren menschlichen Bio-Rhythmus durcheinander.

Kurz und konkret – greift lieber auf analoge Alternativen zurück.

Falls ihr im Bio-Unterricht nicht gerade geschlafen habt, ist euch sicherlich Serotonin ein Begriff. Für die, die ihren Schlaf aus taktischen Beweggründen im Unterricht platziert haben – Serotonin ist ein Hormon, welches wir unter Einfluss hellen Lichts bei ca. 5000 bis 10000 Lux freisetzen. Es hat eine aktivierende und antidepressive Wirkung. Klingt gut, oder? Blöd nur, dass es gleichzeitig das eben erwähnte Schlafhormon Melatonin unterdrückt. Deshalb Tipp Nummer Zwei:

Sucht euch einen dunklen Schlafplatz und reduziert vor dem Einschlafen, und auch danach :),  die Helligkeit eures Zimmers.

Leute, macht Sport! Zunächst ist es bekanntermaßen so, dass sich sportliche Betätigung positiv auf unsere Gesundheit auswirkt. Und auch unser gesundheitlicher Zustand, bzw. die allgemeine Fitness haben einen erheblichen Einfluss auf den Schlaf.

Worum es aber eigentlich geht, ist, dass extreme Trägheit einen bedeutsamen Effekt hinsichtlich Schlafproblemen hat, der sich in keiner Weise positiv präsentiert. Diese Trägheit lässt sich wunderbar durch sportliches Aktivwerden vermeiden, solange sich dies in einem gesunden Rahmen hält. Extreme körperliche Belastungen und ein kurzer Abstand zwischen Training und Schlaf sind erfahrungsgemäß nicht besonders zuträglich, dem gesunden Schlaf gegenüber.

 

Quellen