Eröffnung des ersten Arisierungs-Mahnmals in Deutschland

„Tempo“ oder „Kühne + Nagel“ und Arisierung, wo ist da der Zusammenhang?

In Bremen wurde am 10. September 2023 ein Denkmal zur „Arisierung“ eingeweiht. Deutschlandweit handelt es sich um das Erste seiner Art. Doch was bedeutet das Wort Arisierung?

Arisierung wird abgeleitet von dem Wort „Arier“, welches Herrenrassen oder auch Entjudung1 bedeutet und sich auf den Prozess der Ausbeutung und Verdrängung von Jüdinnen und Juden aus der Wirtschaft, ihren Wohnorten und Deutschland bezieht. Die Juden wurden hierbei von Nationalsozialisten dazu gedrängt, ihre Eigentümer, Wertgegenstände, Aktien sowie Immobilien für kleine Geldbeträge an „Deutsche“ abzutreten. Die Wohnungen und Häuser von geflohenen oder deportierten Juden – damals sogenannte „unbewachte jüdische Wohnungen” – wurden ebenfalls geplündert. Die Aktion wurde von den Nationalsozialisten als „Aktion M“ bezeichnet, wobei das „M“ für Möbel stand. Nutzen von dieser Aktion hatten die damaligen Bürger, die sich zum Beispiel an Immobilien, Möbeln und Aktien bereicherten. Die Speditionsunternehmen, die hauptsächlich für die Lagerung und den Transport der Möbel zuständig waren, konnten durch  die „Aktion M” großen Profit generieren. Ein gutes Beispiel dafür stellt die bremische Firma „Kühne + Nagel“ dar. Ihr internationaler Erfolg geht unter anderem auf die Ausbeutung während der NS-Zeit zurück. Genauso waren etliche staatliche Einrichtungen an dem Gewinn beteiligt, da sie ohnehin die Initiatoren und Koordinatoren der „Aktion M“ waren.

Arisierung: Wie viel ist bekannt?

Jüdische Unternehmer mussten während des Nationalsozialismus ihre Firmen verkaufen, da sie sonst schwerwiegende Sanktionen zu befürchten hatten. Heutzutage verschweigen jedoch unzählige Unternehmen ihre Vorgeschichte und schreiben nur beschönigende Worte zu ihrer Unternehmensgeschichte während der NS-Zeit. Beispielsweise berichtet das Papiertaschentücher-Unternehmen „Tempo“ auf seiner Homepage zu den Jahren 1935 bis 1950 von „[…] bereits 150 Mio. [produzierten] Tempo Taschentücher […], Ende der Dreißiger Jahre waren es sogar 400 Mio. Stück.“ Verschwiegen wird hier, dass sechs Monate nach der Machtübernahme Adolf Hitlers der Patentinhaber des Papiertaschentücher-Unternehmens Oskar Rosenfeld grundlos von der NSDAP vorgeladen und zu einer Geldstrafe von 12.000 Reichsmark verurteilt wurde. Dies ist auch kein Einzelfall geblieben. Oft wurden Juden aus kleinen sowie großen Unternehmen systematisch sanktioniert und gedrängt, ihr Unternehmen dem NS-Regime zu überlassen. Auch wenn diese Tatsachen den heutigen Unternehmen bekannt sind, verlieren manche in ihrer Unternehmensgeschichte oft kein Wort darüber. Wie auch? Wenn Informationen zur Verwicklung der Unternehmen mit dem NS-Regime immer noch unter Verschluss gehalten werden. Daher ist es der Öffentlichkeit nicht möglich, sich selbst ein Bild zu machen. So ist es nicht verwunderlich, dass das Ergebnis eine lückenhafte Geschichte ist.

In einem Interview mit der Schülerzeitung bei der Einweihung des Mahnmals in Bremen erklärt der Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte in Bezug auf die fehlende Information zur Verantwortung der Unternehmen zum Thema Arisierung mit der folgenden Ansicht: „Es kann sein, dass Unterlagen, wie es bei vielen Vorgängen und Verbrechen in der Nazi-Zeit war, bewusst vernichtet wurden oder im Krieg zerstört wurden“. Er fügt hinzu: „Vielleicht ist es aber auch so, dass man noch intensivere Forschungsarbeit braucht, damit man die entsprechenden Dokumente findet und für die Öffentlichkeit zugänglich macht.”

Der stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bremen, Dr. Grigori Pantijelew, unterstreicht die Problematik der Aufklärung über die Arisierung. Diese sei noch nicht fortgeschritten genug, da es eine „sehr komplizierte Verknüpfung zwischen persönlicher und behördlicher Verantwortung ist“. Herr Dr. Pantijelew wünscht sich daher ein Vorbild, jemand, der/die den ersten Schritt wagt und zu Verantwortung des Unternehmens steht. „[Der] erst beste Mann, der dafür geeignet ist […]“ wäre seiner Meinung nach Herr Kühne, dieser könnte im Gegensatz zu seinem Schweigen für Frieden in Bezug auf das Thema Arisierung sorgen.

Bremen und Arisierung, wo ist da der Zusammenhang?

Das Land Bremen hat während der Zeit des Nationalsozialismus eine aktive Rolle zur Arisierung übernommen, da sie gleichzeitig über einen Hafen verfügt und von Haus aus eine Logistik-Stadt ist. Damals wie heute hat das drittgrößte Logistikunternehmen der Welt, Kühne + Nagel, einen Sitz in Bremen und während des Nationalsozialismus wahrscheinlich sehr von der Arisierung profitiert. Das Bundesland hatte daher eine zentrale Rolle bei dem Abtransport der westeuropäischen jüdischen Eigentümer. Genaue Auskünfte dazu gibt das Unternehmen nicht bekannt. Des Weiteren bekennt es sich nicht zu seiner schwierigen Geschichte, denn auch Kühne + Nagel hat vor dem Nationalsozialismus einen jüdischen Anteil gehabt. Adolf Maass (geboren 9. Oktober 1875 in Borgholzhausen; gestorben vermutlich Anfang 1945 in Auschwitz) verfügte über einen Aktienanteil von 45%. Er wurde jedoch aus dem Unternehmen gedrängt und 1942 deportiert, sein Tod folgte circa 1945 im Konzentrationslager Auschwitz.

Welche Rückschlüsse können wir daraus ziehen?

Die letzten Zeitzeugen werden in den kommenden Jahren nicht mehr da sein, um uns an das Geschehene zu erinnern. Doch die Geschichte ist und bleibt ein Teil von uns. Wenn wir uns als Gesellschaft in Deutschland nicht mit ihr befassen, dann fehlt uns etwas. Uns sollte bewusst werden, dass die Vergangenheit wertvolle Lektionen lehrt. Indem wir sie ignorieren, machen wir sie nicht ungeschehen. Ein Grund mehr, uns mit unserer Geschichte zu befassen und Lehren aus ihr zu ziehen. So können vergangene Fehler vermieden werden und Vorurteile verschwinden – fast von selbst.

Was wäre das für eine Gesellschaft!? Vielleicht eine, bei der ein Polizeiaufgebot, wie es bei der Einweihung des Mahnmals zur Arisierung in Bremen, überflüssig wäre.

 

1. Das Wort Entjudung sollte nicht verwendet werden, da es zum NS-Vokabular gehört.

Stopp des Zigarettenverkaufs für zukünftige Generationen

In Großbritannien wurde gerade ein neuer Plan von dem Prime-Minister vorgeschlagen. Dieser schlug vor, Menschen, die nach 2008 geboren wurden, niemals an das Rauchen heranzuführen. Das würde durch eine annuale Erhöhung der Altersbeschränkung erreicht werden. Doch was sind die Risiken einer solchen Beschränkung, gibt es Erfolgschancen und würde sich so ein Vorgehen nicht auch für Deutschland anbieten?

 

Die Risiken

Das Hauptrisiko ist, dass so ein Nährgrund für einen florierenden Schwarzmarkt geschaffen wird. In Bhutan wurde 2004 Rauchen illegalisiert (bis auf kleine Mengen, auf welche eine 100 % Steuer erlegt wurde). Die Folge davon war, dass sich ein Schwarzmarkt bildete und selbst unter den Jugendlichen im Jahr 2006 nur 10,6 % noch keine Tabakwaren konsumiert hatten, welche von jenem Schwarzmarkt vermarktet wurden. (Q1)

Ist so ein Vorhaben überhaupt durchsetzbar, wie stehen die Chancen?

Häufig wird als Argument gegen eine Tabakbeschränkung die hohen Steuereinnahmen genannt, welche doch einen positiven Effekt auf Deutschland haben. Doch, ist dem wirklich so? Laut einer Studie von Tobias Effertz (Universität Hamburg) aus dem Jahr 2018 betragen die direkten Kosten des Staates durch Tabakwaren 30,23 Milliarden Euro (davon 27,31 in medizinischen Kosten) hierbei wurden die Steuereinnahmen von 14,3 Milliarden Euro schon gegengerechnet. (Q2)

Deutschlands Lage in der Diskussion

In der Europäischen Union sind Zigaretten relativ stark versteuert, laut der EU müssen Mitgliedsstaaten einen Steuersatz von circa 60 % des Kaufpreises erheben, diese 60 % werden von Deutschland um 9,3 % überstiegen, was aber im Vergleich zu der restlichen EU relativ gering ist. (Q3 & Q4). Deutschland bewegt sich momentan in die Richtung gegen Tabak, so wurde 2020 die Außenwerbung von Tabakprodukten illegalisiert (außer an sogenannten “Points of Sales” (Orte, welche Tabak vermarkten)) (Q5), aber Deutschland ist noch sehr weit von einem Verkaufsstopp entfernt, auch wenn die Anzahl an Rauchern stetig sinkt. Deutschland hat im globalen Vergleich relativ viele Raucher, so lag der Prozentsatz von Rauchern in Deutschland bei 23,8 % leicht über dem globalen Durchschnitt von 22,3 %. (Q6 & Q7)

Die Tabakindustrie Deutschlands

Die Tabakindustrie in Deutschland hat einen Gesamtumsatz von 12,4 Mrd. Euro erwirtschaftet (Q8), die Giganten in der deutschen Industrie sind die US-amerikanische Altria-Tochter Philip Morris (Marlboro, L&M), die deutsche Imperial-Tobacco-Tochter Reemtsma (R1, West, Gauloises) und der britische Hersteller British American Tobacco (Lucky Strike, HB, Pall Mall), welche sich über 80 Prozent des Marktes teilen. Auch hat Deutschland Tabakwaren im Wert von 3,13 Milliarden im Jahr 2021 exportiert und Waren im Wert von 3,32 Milliarden importiert (Q9).

 

Quellen

Q1: https://cdn.who.int/media/docs/default-source/ncds/ncd-surveillance/data-reporting/bhutan/bhu_gyts_report_2006.pdf?sfvrsn=da72987_1&download=true

Q2: https://www.bundestag.de/resource/blob/765190/19cef3f721d1f7b9a02a24b437e64d86/02-Effertz-data.pdf

Q3: https://taxation-customs.ec.europa.eu/taxation-1/excise-duties/excise-duties-tobacco_de

Q4: https://taxfoundation.org/data/all/eu/cigarette-tax-europe-2023/

Q5: https://www.bundesdrogenbeauftragter.de/presse/detail/bundesrat-beschliesst-verbot-der-tabakaussenwerbung/

Q6: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/r/rauchen#:~:text=In%20Deutschland%20rauchen%20insgesamt%2023,in%20der%20Raucherquote%20zu%20beobachten.

Q:7 https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/tobacco#:~:text=Around%2080%25%20of%20the%20world’s,(WHO%20FCTC)%20in%202003.

Q8: https://de.statista.com/themen/45/tabak/

Q9: https://oec.world/en/profile/bilateral-product/tobacco-substitutes-424/reporter/deu?redirect=true

 

 

Schülersprecher – Wie in den Highschoolteenie-Filmen?

Mit schicker Collegejacke, einem Football unter dem Arm und einer Basecap des Schulteams auf dem Kopf (natürlich verkehrt herum), schreitet er über den Schulflur. Im Schlepptau seine zwei Kumpel, sie wirken wie Bodyguards. Dabei hat er sie nicht einmal nötig, er ist durchaus gut gebaut. Sie ernten die Blicke der Umstehenden. Doch auch die braucht er nicht, er ist mit der hübschesten Cheerleaderin zusammen. Später wird er das Basketballfinale in der Schule anmoderieren, jeder wird ihm zujubeln. So ungefähr ist das Bild eines jeden Schulsprechers in den typischen Highschool-Teeniedramen. Doch wie realitätsnah ist dieses?

 

Da an unserer Schule (ja, keine amerikanische Highschool mit Footballteam, aber trotzdem) am letzten Tag vor den Herbstferien in der Schülerbeiratssitzung, also da wo eure Klassen- und Kurssprecher antanzen durften, die neuen Schülersprecher gewählt wurden, wollen wir einen Blick hinter die Tätigkeiten unser Schülervertretung werfen.

Da wir, die Autoren, Teil des Schülersprecherteams sind, gibt es hier zusätzlich erste Erfahrungswerte und ein paar spannende Eindrücke – Spoiler: wir werfen leider nicht nur mit einem Football durch die Gegend.

Bevor wir mit dem Amt des Schülersprechers anfangen, wollen wir zunächst auf die ebenfalls neu besetzte Positionen der Schulkonferenzdelegierten eingehen.

Diese Delegierten wohnen der sogenannten Schulkonferenz bei, welche das höchste Gremium der Schule ist. Dementsprechend eine wirklich wichtige Position um ernsthafte Mitsprache zu haben. Gemäß der aktuellen Bestimmungen setzt sich die Schulkonferenz aus jeweils sechs Vertretern der Lehrerschaft, der Elternschaft, sowie der Schülerschaft zusammen, die gemeinsam mit der Schulleitung, ebenfalls Teil des Gremiums, über wichtige Entscheidungen beratschlagen, diese genehmigen oder ablehnen. Änderungen der Schulordnung, aber auch Anträge auf Finanzierung von Anschaffungen aus dem Schulhaushalt, fallen dabei in den Zuständigkeitsbereich ebendieser Konferenz. Als Mitglied erhält man während der Treffen zudem Auskunft über die aktuellen Ereignisse in der Schule sowie den Haushalt der Schule. Die Treffen werden dabei vierteljährlich abgehalten. Das klingt erstmal recht trocken, ist es bei einigen Sitzungen zugegebenermaßen auch, aber die Funktion der Schulkonferenzdelegierten ist für uns Schüler dennoch von großer Bedeutung. So hat die Schulkonferenz beispielsweise die oberste Entscheidungsgewalt, falls ein erneuter Antrag auf Änderung der Handyordnung, der zur Zeit in einer Arbeitsgruppe formuliert werden soll, eingereicht werden sollte.

Wichtig ist außerdem, dass die einzelnen Statusgruppen der Schulkonferenz Entscheidungen auch aus den Fachkonferenzen zunächst abblocken können, indem mindestens eine Statusgruppe geschlossen von einer Art Veto-Recht Gebrauch macht.

Hier seht ihr die Liste der diesjährigen Schulkonferenzvertretern aus der Schülerschaft:

  • Levin Janos Meyer
  • Philipp Olde Kalter
  • Erik Wolters
  • Jannik Kartscher
  • Greta Domeyer
  • Otto Rademacher

Da diese euch alle vertreten, ist es immer von Vorteil, wenn ihr Anliegen oder Antragsentwürfe beziehungsweise Ideen an die Delegierten weiterleitet.

Nun aber, wie versprochen, zu den Schülersprechern

Im Grunde sind diese die Vorsitzenden des Schülerbeirats des Gymnasiums Horn. Dementsprechend beschränken sich die direkten Verpflichtungen lediglich auf jene, welche in der neuen Geschäftsordnung (im Ordner „Schülerschaft“ einsehbar) geschrieben sind.

Gemäß dieser war es dieses Jahr übrigens möglich, mit bis zu sechs Personen den Vorstand zu bilden. Dies wurde genutzt, nicht nur weil wir mittlerweile über 1400 zu vertretende Schüler sind, sondern weil die eigentlichen Aufgaben der Schülersprecher (selbst gesteckte Ziele) eine größere Anzahl an Personen bedarf.

Denn den Schülersprechern kommt die Aufgabe zu, die Interessen der Schülerschaft zu vertreten. Sie stehen in engem Austausch mit der Schulleitung und versuchen auf diesem Wege einige Probleme, mit denen sich die Schülerschaft konfrontiert sieht, zu lösen.

Die jetzige Vertretung kümmert sich so zum Beispiel um:

  • DIE DIGITALISIERUNG AN UNSERER SCHULE
  • DIE VERSTÄRKUNG DES POLITIKUNTERRICHTS
  • AUßERSCHULISCHE SPORTANGEBOTE
  • KOSTENLOSE MENSTRUATIONSPRODUKTE IN DEN SCHULTOILETTEN
  • MÜLLTRENNUNG IN DEN KLASSENRÄUMEN
  • NUTZUNG DER UNTIS-TOOLS
  • MENTAL-HEALTH-WORKSHOPS
  • ANGEBOTE AN AG’S AUSBAUEN

Es ist klar, dass dies längst nicht alle Probleme an unserer Schule darstellt. Deshalb ist es wichtig, dass diese auch kommuniziert werden. Für die Arbeit der Schülervertretung ist es aus diesem Grund  essentiell, dass ein reger Austausch mit der Schülerschaft stattfindet. Anliegen, die die Schule aber auch den Unterricht betreffen und den Aufgabenbereich der Klassensprecher überschreiten, sollten deshalb unbedingt an die Schülersprecher weitergetragen werden. Nur auf diese Weise ist es möglich, gemeinsam den besten Kurs für die Schüler unserer Schule zu finden. Ihr erreicht die Schülersprecher daher immer über itslearning. Auch sind Gespräche im SV-Raum (Glasraum vor der Mensa) oder schriftliche Anliegen über einen Briefkasten, der vor dem SV-Raum installiert wird, möglich. Wichtig ist: Je mehr Stimmen es gibt, desto besser ist abzuschätzen, wo Veränderungen benötigt werden.

Und nun der Erfahrungsbericht:

Bislang sind wir wahrscheinlich einfach zu sehr mit den gesteckten Zielen beschäftigt, sodass wir den täglichen Jubel und die bewundernden Blicke nicht mitbekommen. Natürlich macht es Spaß, sich in den wichtigen Gremien auszutauschen und auch mal mit der Schulleitung quatschen zu können, aber auch wir dürfen keine Basecaps im Unterricht tragen. Auch der Football im Arm wird erst noch von uns beantragt werden müssen. In der Tat dürfen wir uns  wahrscheinlich alle auf einige neue Sportutensilien für die Pausen freuen, die wir zusammen mit der Schulkonferenz organisieren werden.

 

 

Aus der Ambulanz in die Schule: Wie Herr Jäger den Schulsanitätsdienst umstrukturierte

Das Gymnasium Horn zeichnet sich gegenüber anderen Schulen insbesondere durch seinen ausgereiften Schulsanitätsdienst aus. Zu finden in Raum 229, handelt es sich dabei um eine Zusammenarbeit zwischen Schülern der oberen Jahrgänge und der Lehrerschaft, geleitet von Herrn Jäger. Spätestens über diverse Lautsprecherdurchsagen sollte dem ein oder anderen das Vorhandensein des Schulsanitätsdienstes aufgefallen sein. Denn immer, wenn ein Mitglied der Schulgemeinschaft gesundheitliche Beschwerden, seien es Verletzungen oder Schmerzen sonstiger Art, zu beklagen hat, steht er zur Verfügung und liefert kompetente Unterstützung. Dabei bilden die Grundlagen eine einwöchige Ausbildung, die diverse Maßnahmen der Ersten Hilfe schult, sowie eine jährliche Auffrischung, an denen jeder Schulsanitäter teilnehmen muss, um bestmöglich Hilfe leisten zu können. Über die Lautsprecher oder im Idealfall im Stillen über ein Smartphone werden die Schulsanitäter informiert, wo Hilfe benötigt wird und verlassen, sofern nicht anders möglich, sogar den Unterricht, um zur Verfügung zu stehen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass der gesamte Dienst auf Freiwilligkeit basiert und sämtliche verpassten Inhalte von den Mitgliedern im Zweifelsfall selbständig nachgearbeitet werden müssen. Das Fazit ist dennoch klar. Es ist erwünscht, sich mit Problemen an den Schulsanitätsdienst zu wenden. „Wir stehen gerne zur Verfügung, um bei medizinischen Problemen Erste Hilfe zu leisten“, sagt Jesper Nagel, Mitglied des Schulsanitätsdienstes, dafür ist er schließlich eingerichtet worden.

Die Struktur der Dienste ist denkbar einfach. Jeder Schulsanitäter ist für einen Wochentag zuständig. Wird an diesem Tag ein Sanitäter ausgerufen, ist klar geregelt, wer den jeweiligen Fall übernimmt. Doch nicht immer geht das Konzept auf. Durchaus treten auch Fälle auf, in denen ein längerer Aufenthalt der Patienten im Sanitätsraum notwendig ist. In diesem Fall ist die Gemeinschaft des Sanitätsdienstes von großem Vorteil, ermöglicht sie doch, dass auch außerhalb des eigentlichen Dienstes ein Abwechseln möglich ist.

Innerhalb der Mitglieder werden nichtsdestotrotz auch Problemstellungen gesehen, die es anzugehen gilt. „Manche Lehrer habe keine Ahnung, wie der Tätigkeitsbereich der Schulsanitäter definiert ist. Es ist nicht zwingend notwendig, dass Schulsanitäter den Unterricht verlassen, um Erbrochenes aufzuwischen“ (Jesper Nagel, Schulsanitäter). Darüber hinaus stellt eine andauernde Debatte die Frage der Kühlpack-Ausgabe dar. Natürlich ist es sinnvoll, die Kühlpacks im Sanitätsraum aufzubewahren, da sie in vielen Fällen dort benötigt werden. Jedoch führen Häufungen von Forderungen zum Teil dazu, dass Schulsanitäter für Banalitäten aus dem Unterricht geholt werden. Eine nicht einfache Thematik, steht auf der anderen Seite doch der dringende Aufruf, sich bei Beschwerden an das Sanitätsteam zu wenden. Ein Lösungsansatz – sofern die Lage deutlich erscheint, kann auch der jeweilige Lehrer das Holen eines Kühlpacks übernehmen.

Grundsätzlich bittet der Schulsanitätsdienst darüber hinaus darum, verwendete Kühlpacks wieder in den Briefkasten vor dem Sanitätsraum zu werfen.

Doch wie sah es an unserer Schule aus, bevor die Leitung von Herrn Jäger übernommen wurde? Tatsächlich besteht der Schulsanitätsdienst schon seit zahlreichen Jahren. Doch bis 2011 verfügte er jahrelang nur über einen einzigen Sanitäter. Eine nicht zu bewältigende Aufgabe, wie sich nicht zuletzt dadurch auszeichnete, dass der Schulsanitätsdienst geradezu unbekannt war.

Mittlerweile fasst der Schulsanitätsdienst ganze 36 Sanitäter, von denen sich zwei zurzeit im Ausland befinden. Pro Ausbildung, die einmal jährlich stattfindet, gehen in der Regel effektiv 12 bis 14 neue Schulsanitäter hervor, sodass sich in Zukunft nahezu die Frage stelle, ob nicht die Q2 grundsätzlich aus dem Dienstplan befreit werden könne, so Herr Jäger. Auch lasse sich sagen, dass jeweils circa zwei Sanitäter je Klasse im achten Jahrgang ausgewählt werden. Für alle, die Interesse haben, sei die erste Februarwoche vorzumerken. Wichtig ist dabei allerdings: Auch die Ausbildung beruht auf Freiwilligkeit. Das heißt, der verpasste Schulstoff muss auch hier in den meisten Fällen nachgearbeitet werden. Doch der Dienst bringt auch persönliche Vorteile mit sich. Dazu zählt eine Bescheinigung des Erste-Hilfe-Kurses sowie bei besonderem Engagement ein Eintrag in sämtliche Zeugnisse.

Um eine genauere Einsicht hinter die Kulissen des Schulsanitätsdienstes zu gewähren, hat sich Herr Jäger freundlicherweise zu einem Interview gegenüber der Schülerzeitung bereiterklärt.

 

Herr Jäger, wie sind sie dazu gekommen den Schulsanitätsdienst zu übernehmen?

Also, ich bin 1994 in den Zivildienst gegangen, den gab es ja damals noch und dadurch bin ich ins Rote Kreuz Krankenhaus gegangen, erstmal zur Rheumachirurgie. Dann habe ich mein Studium angefangen, im Oktober 1995, und musste nebenher Geld verdienen. Dann bin ich eben im Krankenhaus geblieben, als studentische Aushilfe. Dort bin ich erst drei, vier Jahre mehr oder weniger als Aushilfe über alle Stationen hinweggegangen und ab 1998 habe ich 10 Jahre Zentralambulanz gemacht. Die haben mich dann genommen und gemeint: „Mensch, der passt hier her“. Von daher ist witzig, dass ich offiziell noch nicht einmal einen Erste-Hilfe-Kurs hatte, damals, aber du sammelst natürlich irgendwann so viele Erfahrungen, dass ich viel mitnehmen konnte. Und von daher hat passenderweise Herr Riggers gesagt: „Dann werden sie Schulsanitätsdienstleiter“, was nochmal ein Punkt obendrauf war, dafür, dass ich die Stelle an dieser Schule bekommen habe.

Wie haben Sie dann begonnen, den Schulsanitätsdienst neu aufzubauen?

Ich glaube, Ende 2011 hatte ich schon die erste Ausbildung hier über den ASB organisiert. Das war schon immer der ASB, der die durchgeführt hat. Ich glaube, wir haben das dann erst 2013 oder 2014 richtig publik gemacht, ich habe da früher gar nicht dran gedacht, ich war ja unerfahren darin, so ein Team zu leiten. Und dann haben wir das irgendwann einfach mal kundgegeben, bei den Kollegen zum Beispiel. Es kamen natürlich auch immer öfter Durchsagen und dann ging das so richtig rund. Da war auch schon ein Jahr, in dem die Fünft- und Sechstklässler in Scharen kamen.

Wollten Sie früher schon Lehrer werden?

Also, ich war früher hoch schüchtern. Man kann sich das mittlerweile gar nicht mehr vorstellen. Wenn ich mal 30 Jahre zurückgehen würde, würde ich hier kein Lehrer sein können. Dann würde ich nur mit rotem Kopf durch die Gegend gehen und keinen ansprechen. Und einer der großen, wichtigen Punkte meines Lebens war diese Ambulanz. In der Ambulanz muss man aus sich heraus kommen, und das hat mir wirklich meine Schüchternheit ausgetrieben, was wieder für den Lehrerberuf wichtig war. Die leitende Schwester dort in der Ambulanz hat ja auch gewusst, dass ich Lehrer werden möchte und hat auch gemerkt, dass mir das total Spaß macht, andere wieder anzulernen, also anzuweisen. Und dann war es zum Beispiel nach ein paar Jahren meine Aufgabe, immer die ganzen Zivildienstleistenden an- und Praktikanten, die also irgendwie so auf meinem Level waren, einzuweisen. Also war ich wie ein Lehrer oder Ausbilder und habe die dann in die Ambulanz eingewiesen. Und dann legt man die Schüchternheit ab. Oder dann, wenn man mit Personen, die betrunken gestürzt sind, kommuniziert. Damit kann man nur umgehen, wenn man sich irgendwann traut, die anzusprechen.

Wie läuft das Bewerbungsverfahren für den Schulsanitätsdienst ab?

Zunächst habe ich einfach die Personen sich so bewerben lassen, die haben einfach auf einen Zettel geschrieben: „Ich bin der und derjenige und ich möchte gerne mitmachen“. Und das war natürlich dann super schwierig damals, auszuwählen. Und es ist aber tatsächlich so, man muss die Klassenlehrer-Teams einbinden, weil alle, die ich nicht kenne, wie soll ich die auswählen, nur anhand dieses Zettels, den ich als Bewerbungsblatt herausgebe, wie soll ich die da beurteilen? Das ist so ein bisschen unfair, weil da ja tatsächlich auch jeder draufschreiben kann, was er will. Und deswegen ist es immer gut, wenn man mehrere Personen hat, die da ihre Meinung zu abgeben können. Deswegen ist das Klassenlehrer-Team wichtig. Die kennen meistens die Schülerinnen und Schüler in der achten Klasse und die sagen dann: „So, hier, der eignet sich gut, weil er total sozial engagiert ist“, und dann kommen meistens die zwei Seiten zusammen. Also meine Seite mit den Bewerbungsbögen oder vielleicht habe ich ja manchmal auch so einen Eindruck, oder ich kenne die Schülerin und Schüler, und dann eben das Klassenlehrer-Team. Und das hat sich bisher eigentlich ganz gut bewährt, muss man sagen.

Was sind die Voraussetzungen für den Schulsanitätsdienst?

Achte Klasse, man darf keine schlechten Noten haben, man sollte sich am besten engagieren wollen in dem Bereich.

Existieren auch außerschulische Kriterien?

Unsere Arbeitswelt hat sich ja auch ein bisschen verändert. Wer zum Beispiel jetzt Medizin studieren möchte, der muss ja immer mehr vorzeigen können, dass man am besten schon irgendetwas gemacht hat. Und deshalb sind alle Schülerinnen und Schüler, die irgendwie in so eine Richtung wie Medizin oder Rettungsdienst gehen wollen, total hinterher, hinter dieser Ausbildung hier bei uns als Schulsanitäter. Und das merkt man seit zwei oder drei Generationen im Schulsanitätsdienst. Wir hatten ja auch diesen Durchgang, bei dem alle Ärzte werden wollten, das war Wahnsinn. Was ich damit sagen möchte, ist, dass das ganze Auswahlverfahren mittlerweile vereinfacht ist, weil ich jetzt klare Rahmen habe.

Das heißt, grundsätzlich empfehlen Sie die Teilnahme jedem, der sich selbst eventuell in Richtung eines medizinischen Berufes orientieren möchte und darüber hinaus in der Schule so zuwege ist, dass er Zeit für den Sanitätsdienst investieren kann?

Ja, richtig. Aber es muss ja gar nicht immer so sein, dass man unbedingt Arzt oder Sanitäter werden will, sondern es gibt ja auch einfach Menschen, die generell sagen: „Ich helfe gerne anderen Menschen“, oder ich möchte mich einfach sozial engagieren. Und das können dann ganz, ganz tolle Sanitäterinnen und Sanitäter sein, obwohl sie gar nichts mit Medizin am Hut haben und auch gar nicht wollen. Wenn ich Schüler und Schülerinnen kenne, dann finde ich, ist die wichtigste Charaktereigenschaft für diesen „Sanitäts-Job“ Empathie, Einfühlungsvermögen. Das ist das wichtigste überhaupt. Aus den Klassen, die ich kenne, wähle ich immer die Personen aus, bei denen ich sage: „Da ist ganz viel Empathie“, denn die können sich dann wirklich hineinversetzen in die Personen, gerade wenn es hier um die jüngeren Schülerinnen und Schüler geht. Dann merken die: „Oh, der hat Schmerzen“, und sind meistens ganz toll im Umgang mit denen.

Gibt es auch andere Gründe, warum sie Personen ins Team aufnehmen?

Ich habe das auch schon erlebt, dass ich dann auch Schülerinnen und Schüler aufgenommen habe, die, ich sage mal, sehr still sind im Unterricht und sich kaum beteiligen, aber bei denen man dann feststellt, die haben ganz viel Empathie, also auch ganz viele soziale Kompetenzen im Umgang mit anderen Menschen, obwohl sie vielleicht ausgesprochen zurückhaltend sind. Die habe ich dann ins Sani-Team aufgenommen und die sind dann auch so ein bisschen aus sich herausgekommen. Und dann merkt man eben, eigentlich können die das richtig gut machen, die trauen sich nur nicht so ganz. Dann gehe ich auch aktiv auf die zu und sage: „So, willst du nicht Schulsanitäterin beziehungsweise Schulsanitäter werden?“.

Wie ist die Resonanz bezüglich des Schulsanitätsdienstes an unserer Schule?

Sehr gut. Ich nehme das Lob auch immer gar nicht auf mich, sondern ich sage immer gleich: „Das Team, das Team, das Team. Also die Schüler sind so toll, die machen das ja freiwillig“, muss ich auch manchmal betonen. Und eigentlich höre ich fast immer Positives. Das einzige, wo man auch manchmal was Negatives hört, ist: „Wie viele Leute sind eigentlich im Sani-Raum?“. Aber ansonsten hört man eigentlich nur Positives. Es gibt so großes, riesengroßes, tolles Lob, wie toll das gemacht wird und auch vom Rettungssanitätsdienst höre ich das manchmal. Also auch über die Lehrkräfte hinweg, wird wieder gelobt, wie toll das hier gemacht wird. Man merkt das auch wirklich daran, wer sich indessen hier bewirbt. Ich habe in den ersten Jahren, in denen ich hier die Ausbildung hatte, noch nicht wirklich gewusst: „Wie wähle ich überhaupt Schüler und Schülerinnen aus?“, „Wie mache ich das Bewerbungsverfahren?“, das war ja alles noch ganz neu für mich. Da hatte ich auch teilweise unzählige Bewerbungen und irgendwann kristallisieren sich dann ja so Punkte heraus, wie, man sollte vielleicht keine Schüler nehmen, die irgendwelche Problemfächer haben, also schlechte Noten vielleicht, weil sie sich erst mal auf die Schule konzentrieren sollten. Ich habe in der ersten Ausbildung dann so ein, zwei Kandidaten gehabt, die wirklich viel Quatsch gemacht haben, und da hat man dann schnell draus gelernt.

Welches Budget steht eigentlich dem Schulsanitätsdienst zur Verfügung?

Das ist natürlich indessen ordentlich gewachsen. Also damals war es so, da hatten wir ganz am Anfang 15 Personen, die immer direkt von der Berufsgenossenschaft Bremen finanziert wurden.

Aber über die Jahre wurde das Budget leider immer weiter gekürzt. Eigentlich zahlen die jetzt immer nur noch zehn Personen seit zwei Jahren. Man kann aber trotzdem für die Ausbildung bis zu 15 Personen nehmen. Dann müssen die Überzähligen von der Schule bezahlt werden. Dafür gibt es hier in der Schule ein Budget. Das sind zwei verschiedene Töpfe, die wir hier ansprechen. Einmal der Fortbildungstopf, das würde eben diese Fortbildungen betreffen, dass wir sagen, wir nehmen mehr Schüler, obwohl wir schon über zehn Stück hinweg sind, und dann ist das andere das ganze Material, dass wir im Sani-Raum haben. Der Topf unserer Schule selbst ist dabei ordentlich gewachsen.

 

Muss man den Sanitätsdienst denn so ausstatten?

Man muss den Dienst nicht so ausstatten. Ich habe tatsächlich mal von Herrn Dr. Leupold, der ist ja unser Sicherheitsbeauftragter und ich und der Schulsanitätsdienst sind sozusagen Unterglieder bei ihm, ein paar Sachen zugeschickt bekommen, in denen drin steht, was man eigentlich in einer Schule für einen Schulsanitätsdienst machen muss, was vorhanden sein muss. Eine Liege, eine Trage, ein Sanitätsraum, ein bisschen Verbandsmaterial. Da stehen ganz grobe Rahmenbedingungen drinnen, aber wir gehen da teilweise wirklich drüber hinaus. Ich habe ja früher auch mal sehr viel Lob bekommen von den ASB-Ausbildern, weil ich das wahrscheinlich aus meiner Ambulanz-Zeit noch so kenne. Ich habe da volle Schränke gehabt, das war ja teilweise mein Job, die auch wieder aufzufüllen, nur war da der Nachschub natürlich unendlich. Man hat ein Zentrallager im Krankenhaus gehabt, da hat man die Wagen einfach hochgefahren. So einen ganzen Schrank voller Rollen zum Festkleben hatte man da einfach, obwohl die total teuer sind und hier entgegen ist das eine andere Sache gewesen. Ich habe aber zeitweise sehr viel gekauft gehabt, jetzt bin ich durchaus zurückhaltender geworden, weil das auch unglaublich teuer war. Ich weiß, so glaube ich, 2015, da habe ich mal so wirklich in die Vollen gehauen und habe da wirklich alles Mögliche an Materialien gekauft. Da war das komplett ausgestattet im Sani-Raum. Nur das ist einfach zu teuer gewesen, denn irgendwann verfallen die Sachen dann. Wir haben auch gemerkt, dass man zum Beispiel so riesige Saugkompressen gar nicht wirklich braucht. Und dann hat sich irgendwann so grob herauskristallisiert: „Was muss ich denn so ungefähr bestellen, was nicht?“. Ich höre ja immer von den Sanitätern zwischendurch, was so anliegt.

Normalerweise wird der Sanitätsdienst über das Sani-Handy angerufen, manchmal wird jedoch auch kritisiert, dass dennoch zu viele Durchsagen erfolgen. Wie stehen sie dazu?

Ich würde sagen, das ist so, nebst der Tatsache, dass der Raum manchmal ein bisschen voll ist, der andere negative Punkt, den es wirklich gibt. Ich bin ja der Meinung, und ich glaube, unser Team ist auch größtenteils der Meinung, dass die Durchsagen eigentlich immer noch am besten und einfachsten sind. Also wir würden es am liebsten einfach nur so machen, aber das stört tatsächlich den Unterricht immer mal wieder. Deswegen haben wir schon so viele Modelle durchdacht, was man machen könnte, bis wir dann dieses Sani-Handy erstmal als einfachste Lösung genommen haben. Es gab hier schon Vorschläge in Richtung Walkie-Talkies oder ein Pieper-System einzuführen. Das ist alles nur zu aufwändig. Ich kenne das ja aus der Ambulanz, da hatten wir so ein Pieper-System. Das funktioniert aber dort so, dass auf dem Pieper die Telefonnummer von dem Ort, von dem aus man anruft, erscheint und mein Job war ja eben immer, durch alle möglichen Räume durchzugehen. Ich wusste also alle möglichen Telefonnummern und das kann man hier ja nicht machen. Dann müsste ja in jedem Raum ein Telefon stehen, von dem aus man anrufen kann. Nur dann würde das Sinn machen. Und das ist sehr teuer. Und dann hat man genau das gleiche Problem wie beim Handy. Denn man muss den Pieper holen, der muss aufgeladen sein, der muss benutzt werden, man muss die Nummern kennen. Da ist ein Handy ja wirklich einfacher.

Wie stehen Sie denn grundsätzlich zu der Nutzung von Handys für Sani-Zwecke?

Ich bin der Meinung, wir müssen uns doch gegenseitig sofort anfordern können. Wenn zum Beispiel jemand dort ist, nehmen wir mal jemanden von den ganz neu Ausgebildeten, und man ist sich noch ganz unsicher und steht ganz alleine da, dann muss man doch irgendwie die Möglichkeit haben, jemanden anzufordern, ohne, dass man immer gleich eine Durchsage machen muss. Das wird ja auch manchmal tatsächlich benutzt, dass dann jemand schreibt: „Hier, kann mich jemand ablösen?“. Und das geht einfach nicht anders. Deswegen auch der WhatsApp-Chat. WhatsApp ist ja eigentlich tabu, aber das ist zurzeit das schnellste Medium, finde ich, womit man einfach sofort alle erreicht. Man könnte WhatsApp natürlich, theoretisch gesehen, mal austauschen, gegen einen anderen Messenger oder ein anderes System, das auch relativ schnell funktioniert. Aber itslearning zum Beispiel ist nicht schnell genug. Da bekommt man ja teilweise erst nach einer Stunde die Nachricht und das funktioniert nicht. Man muss eine ganz schnelle Ebene haben und das geht nicht anders. Die Sanitäter müssen sich gegenseitig informieren können. Und das ist auch Konsens indessen. Und deswegen steht in der Schulordnung extra der Passus, dass Schulsanitäter im Dienst ihr Handy für den Sani-Chat benutzen dürfen.

 

Die Schülerzeitung bedankt sich für das Interview, welches am 24. Mai geführt wurde.

 

Anmerkung der Chefredaktion: Durch einige Probleme mit der Website konnte dieser Artikel online erst später erscheinen als geplant.

MicroCon 2023

Ein Treffen von Mikronationalisten und Mikronationen, welches alle zwei Jahre abgehalten wird, fand dieses Jahr in Ypern und Chicago statt. Dieses Jahr war das erste, in dem eine MicroCon in den USA und Europa abgehalten wurde, die Organisatoren waren Ladonia und Flandrensis.

Zum Anfang muss man verstehen, was eine Mikronation ist. MicroWiki, die größte Enzyklopädie über Mikronationen, beschreibt diese wie folgt:

„Eine Mikronation ist, grob gesagt, ein selbsternannter souveräner Staat ohne internationale Anerkennung, der anders behandelt wird als ein Staat mit begrenzter Anerkennung.“


(Frei Übersetzt nach: https://micronations.wiki/wiki/Micronation)

Im Folgenden ein Interview mit Niels Vermeersch, Großherzog von Flandrensis, Co-Host der MicroCon Europa in Ypern über die MicroCon in Ypern 2023

 

Warum ist Ihnen MicroCon so wichtig?

Eigentlich war dies meine erste MicroCon, bei den vorherigen Ausgaben in den USA hatte ich einen Vertreter. Aber ich hatte vorher schon viele europäische Konferenzen (Polination und LaMicroFrancophony). Sie alle haben die gleiche Bedeutung: sich im wirklichen Leben zu treffen und Erfahrungen miteinander zu teilen. Das Internet ist ein wichtiges Instrument für Mikronationalisten, aber Veranstaltungen wie die MicroCon schaffen stärkere Beziehungen zwischen Mikronationalisten als die Nutzung sozialer Medien. Wenn wir in den Urlaub fahren, versuchen wir immer, einen Zwischenstopp einzulegen, um uns mit Freunden zu treffen. Einige von ihnen kenne ich schon seit 10 Jahren.

 

Wie unterscheiden sich die Schwerpunkte oder Programme der MicroCon in Ypern und Chicago von anderen mikronationalen Veranstaltungen?

Der Unterschied zu anderen mikronationalen Konferenzen ist, dass wir die Themen und Redner selbst ausgewählt haben. Traditionell gibt es immer einige Mikronationalisten, die einen Vortrag über ihre Mikronation oder ein bestimmtes Thema halten wollen.

Yvan und ich haben unsere eigene Liste möglicher Themen erstellt und wir haben eine Umfrage in der Facebook-Gruppe gemacht und die Teilnehmer gefragt, an welchem Thema sie am meisten Interesse haben. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse habe ich mein Netzwerk genutzt und wir haben Mikronationalisten kontaktiert, die unserer Meinung nach die meiste Erfahrung hatten, und sie gebeten, einen Vortrag zu halten. Das gab uns die Garantie für eine qualitative Präsentation.

 

Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach Mikronationen in der globalen politischen und sozialen Landschaft?

Mikronationalismus ist heute ein sehr nützliches Instrument, um auf ein politisches, ökologisches oder soziales Problem hinzuweisen. Einer der Redner beschrieb ökologische Mikronationen als „Schaffung eines Landes zur Rettung des Planeten“. Wenn man eine Idee hat und seine Botschaft verbreiten will, kann man zum Beispiel eine Organisation oder eine politische Partei gründen. Aber wirklich kreative Menschen denken über den Tellerrand hinaus, und mit einer Mikronation – zusammen mit einem starken Konzept – kann man ein großes Publikum erreichen, um seine Mission zu verbreiten.

 

Was war Ihr persönliches Highlight?

Ich würde sagen, die gesamte Veranstaltung, denn wir haben viele positive Reaktionen erhalten. Aber wenn ich mich entscheiden müsste: die mikronationale Kinderjury. Ich hoffe, dass dies eine neue Tradition für zukünftige MicroCon’s wird, denn die Teilnehmer waren sehr überrascht. Und es ist die perfekte Gelegenheit für unsere Kinder, mit dem Mikronationalismus in Berührung zu kommen, hoffentlich ein Hobby, das ich mit meinen Jungs weiterführen kann.

Und ich war auch überrascht von den vielen unterstützenden Eltern, die ihre Teenager zu dieser Veranstaltung in Belgien begleitet haben! Nach der MicroCon haben viele von ihnen eine ganz andere Vorstellung von dem mikronationalen Abenteuer ihres Kindes.

Wie war die Organisation?

Sehr stressig, denn Yvan und ich wollten eine qualitativ hochwertige Veranstaltung organisieren: Vom Veranstaltungsort über die Präsentationen bis hin zu den Getränken und dem Essen … Wenn Leute die Mühe auf sich nehmen, aus Kanada oder den Philippinen anzureisen, wollen wir, dass sie mit einem positiven Gefühl zurückblicken. Wir haben vor einem Jahr mit den Vorbereitungen begonnen (Ort, Finanzen, Fahrplan, usw.), aber seit Januar hatten Yvan und ich täglichen Kontakt und fast alle zwei Wochen einen langen Abend auf Zoom. Aber ich bin sehr froh, dass Ladonia Flandrensis als Co-Moderator gefragt hat. Da ich Yvan schon von früheren Treffen her kannte, wurde unsere Zusammenarbeit dadurch viel einfacher. Und wir sind beide überrascht, dass wir nie eine einzige Meinungsverschiedenheit oder Frustration miteinander hatten, wie wir in Belgien sagen: gute Vereinbarungen machen gute Freunde.

Ich wünschte nur, ich hätte während der Veranstaltung mehr Zeit gehabt, um mit allen zu sprechen, aber als Co-Gastgeber war ich so beschäftigt: Interviews, Auf- und Abbau, ein Taxi für meinen britischen Botschafter finden, einen Schlafplatz für einen der Teilnehmer finden, … Aber nach allem habe ich ein sehr positives Gefühl über unsere Leistung und wir freuen uns darauf, die zukünftigen Organisatoren mit unseren Ratschlägen und Tipps zu unterstützen.

Weitere Informationen:

https://micronations.wiki

https://flandrensis.com/

Projektarbeiten im KI-Zeitalter: Wie ChatGPT das Schulwesen für immer verändert

Künstliche Intelligenzen (KIs) haben in den letzten Jahren eine immer wichtigere Rolle im Bildungsbereich eingenommen. Insbesondere bei der Erstellung von Projektarbeiten setzen immer mehr Schülerinnen und Schüler auf die Unterstützung von KIs. Doch während einige dies als innovative Hilfe begrüßen, gibt es auch Stimmen, die sich kritisch äußern. Denn immer öfter kommt es vor, dass KIs Projektarbeiten komplett selbstständig verfassen – ohne dass die Schülerinnen und Schüler dabei aktiv beteiligt sind. In diesem Artikel soll es darum gehen, warum Lehrer diese Entwicklung kritisch sehen und welche Auswirkungen dies auf die Schülerinnen und Schüler hat.

Wenn ich euch sagen würde, dass die Einleitung von ChatGPT geschrieben worden wäre, würde es vermutlich keinen wirklich verwundern. Chatbots wie ChatGPT sind zu einem Teil unseres Alltags geworden. Wenn man schnell ein paar Informationen braucht – ChatGPT fragen. Wenn man noch schnell die Hausaufgaben machen muss – ChatGPT das Thema geben und den generierten Text in die Notizen übertragen. Selbst wenn man jemanden zum Schach spielen braucht, kann man dies mit ChatGPT machen. Man merkt, dass die KI uns in vielen Lebenssituationen hilft und teilweise schon nicht mehr wegzudenken ist.

So auch bei den Projektarbeiten. Gibt man ChatGPT ein Thema und schreibt, dass man eine mehrseitige Projektarbeit braucht, so generiert ChatGPT diese. Obwohl es ein Wörterlimit gibt, kann man dieses einfach umgehen, indem man den Befehl „Schreib weiter“ gibt. So entstehen innerhalb von ein paar Minuten mehrere Seiten, die Verwechslungsgefahr mit echten Seiten aus echten Projektarbeiten haben.

Doch nicht alles, was ChatGPT generiert, entspricht vollkommen der Wahrheit. Häufiger schleichen sich Fehlinformationen in die Texte ein und manchmal verwechselt ChatGPT ganze Themen miteinander.

Ob man eine Hausarbeit komplett mit ChatGPT schreiben lassen kann, ließ der Uniprofessor Scott Graham im September 2022 testen. Er gab seinen Studierenden auf, einen Aufsatz zu schreiben, der vollständig von ChatGPT generiert sein musste. Nur kleine Änderungen durften die Studenten am fremden Text vornehmen. Alle abgegebenen Texte seien laut Graham „nicht gut“ gewesen. Zu „The Register“ sagte er: „Man kann nicht einfach einen Knopf drücken oder eine kurze Eingabeaufforderung einreichen und einen fertigen Aufsatz erhalten“.

Ein Problem, auf das viele Schüler stoßen, wenn sie einen Text generieren lassen, sind fehlende Quellenangaben. Doch dieses Problem ist auch einfacher zu beheben, als man denkt. Gibt man ChatGPT den Befehl „Gib mir Quellen für den obigen Text an“ werden einem Quellen generiert. Wenn man diese nun übernimmt, sollte man hoffen, dass diese nicht von einem Lehrer oder anderem Schüler überprüft werden. Eines der gravierendsten Makel des Chatbots sind die selten bis gar nicht funktionierenden Quellenangaben. Zwar werden Links zu Webseiten generiert, funktionieren tun diese aber selten.

Die Lösung zu dem Problem könnte folgendermaßen aussehen: Ab dem nächsten Jahr wird vermutlich ein praktischer Teil in der Projektarbeit vonnöten sein. Dies bedeutet, dass es inzwischen nicht mehr ausreicht, die Projektarbeit zu einem theoretischen Thema zu machen, da die Recherche und das Schreiben des Textes nun von Chatbots übernommen werden kann. Ein praktischer Anteil kann (noch) nicht von einer KI generiert werden. So ergibt der Entschluss, die Projektarbeit zu verändern, in meinen Augen Sinn.

Doch wie lange wird das noch so funktionieren? KIs sind seit Jahren auf dem Vormarsch. Wozu sie in fünf oder zehn Jahren fähig sein werden, kann man sich heute vermutlich nicht mal ausdenken. Zu Recht warnen Forscher vor der Gefahr durch künstliche Intelligenzen und die Vernachlässigung unserer Pflichten, die wir lieber in fünf Minuten mit KI, statt mit Sorgfalt machen. Die Menschheit überlässt immer mehr Pflichten und Aufgaben den KIs und Computern. Die Forschung treibt das Problem immer weiter voran, dabei wird außer Acht gelassen, welchen negativen Einfluss dies auf die Menschheit hat.

Die Bremer Global Championship hat wieder begonnen

Bremen, genauer gesagt der Sportgarten, ist seit 2009 der Veranstaltungsort des Bremen Global Championship, einem Schulfußballturnier, das sich immer abwechselnd an die 6. bis 7. beziehungsweise 7. bis 8. Klasse richtet. 2021 und 2022 haben dort die damaligen Klassen 6a beziehungsweise 8d, beide vom Gymnasium Horn, den ersten Platz belegt.

Neben Fußball ist hier allerdings auch Wissen, Fairness und Teamgeist gefragt. Dieses Jahr befassen sich die 6. und 7. Jahrgangsstufen mit dem Motto: “Was macht meine Zahnbürste in Malaysia?” Es soll sich mit der globalen Müllentsorgung auseinandergesetzt werden.

Für die Teilnahme ist eine Gebühr von 60 Euro pro Klasse zu bezahlen. Dann war bereits am 17. März 2023 Projektstart im Kulturzentrum Schlachthof und am 22. Juni wird die Turnierphase im Sportgarten zu Ende sein. Am Schluss erhalten die Bestplatzierten Trophäen und andere Preise. Das Projekt wird von den BeN, Sportgarten, biz, BUND, Bremer Jugendring, Bremen-Durban e.V., Brot für die Welt, BORDA, BanSenSuk e.V., Unicef, terre des homme, Bremen fairbessern (Freie Hansestadt Bremen), Bingo, der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, der Senatskanzlei, ENGAGEMENT GLOBAL und dem Klimahaus unterstützt.

 

Shop Horn: eine einzigartige Schülerfirma

Das Gymnasium Horn beheimatet eine einzigartige Schülerfirma namens „ShopHorn“. Gegründet im Jahr 2014, besteht das Unternehmen aus Schülern und Schülerinnen des Wahlpflichtkurses Ökonomie 8 und 9, deren Team jedes Jahr wechselt. Derzeit wird das Unternehmen von Lale Düldül und Julian Geschke aus dem achten Jahrgang geleitet, die seit dem 1. Februar 2023 als Geschäftsführung tätig sind.

Der ShopHorn hat verschiedene Abteilungen, darunter das Produktmanagement, Marketing, Verwaltung und Rechnungswesen. Die Geschäftsführung hat die Aufgabe, das Unternehmen zu leiten, die einzelnen Abteilungen zu koordinieren, das Unternehmen zu repräsentieren und zu entwickeln sowie wichtige Kontakte zu knüpfen. Das Produktmanagement ist für alle Aspekte des Warenangebots verantwortlich, während das Marketing für die Vermarktung des Unternehmens zuständig ist. Die Verwaltung kümmert sich um alle administrativen Angelegenheiten, während das Rechnungswesen die Buchhaltung und Abrechnungen führt.

ShopHorn bietet eine Vielzahl von Produkten an, darunter Merchandise-Artikel und Schulsachen. Die Öffnungszeiten des Shops sind von Montag bis Freitag von 9:35 Uhr bis 10:00 Uhr beim Haupteingang unserer Schule.

Der ShopHorn organisiert und hilft auch regelmäßig Events und Aktionen. Im Jahr 2019 und 2021 nahm das Unternehmen am Color Run/Donation Event teil und organisierte den Verkauf von Color Run/Donation T-Shirts, welche auch verkauft wurden. Im Jahr 2022 verteilte ShopHorn Schultüten an neue Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums, welche die Eltern oder andere Personen für ihre Liebsten gekauft haben. Am Valentinstag 2023 konnten Schülerinnen und Schüler Rosen bestellen und an andere Schülerinnen und Schüler schicken. Der ShopHorn verteilte dabei die Rosen.

ShopHorn ist ein großartiges Beispiel für eine Schülerfirma, die nicht nur Produkte verkauft, sondern auch kreative und gemeinnützige Initiativen organisiert. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei wertvolle Fähigkeiten in den Bereichen Unternehmertum, Marketing und Management.

 

 

Engagement, das an Grenzen geht

Stefanie Clasen und Doro Pioner sind seit einigen Jahren Schulelternsprecherinnen am Gymnasium Horn. In diesem Interview erzählen sie uns, was ihr Beweggrund ist, diesen Job zu machen und welches Ziel sie dabei verfolgen.

Habt ihr euch schon in eurer Schulzeit engagiert?

Doro: Ich war in meiner Schulzeit mehrfach Klassensprecherin. Das habe ich relativ lange gemacht. Aber nur für meine Klasse, nicht für die ganze Schule.

Stefanie: Ich war damals nicht als Klassensprecherin tätig. Ich war total introvertiert und habe mich gar nicht getraut, vor der Klasse groß zu reden. Da kam so etwas gar nicht in Frage.

Wie ist es dazu gekommen, dass ihr Schulelternsprecherinnen geworden seid?

Doro: Als mein Kind hierher gekommen ist, war für mich sofort klar, dass ich mich als Klassenelternsprecherin engagieren möchte. Als sie in der Grundschule war, habe ich das nicht gemacht und gemerkt, dass nicht alle Informationen bei uns Eltern in der Klasse angekommen sind. Das fand ich sehr schade, denn dieser Informationsfluss und Austausch ist unglaublich wichtig. Dann habe ich hier angefangen als Klassenelternsprecherin und einfach festgestellt, dass mir gerade hier die Zusammenarbeit mit der Lehrerschaft und dann irgendwann auch mit Frau Preuschoff als Schulleitung wahnsinnig viel Spaß macht und dass durch diesen engen Kontakt und Austausch ganz viel möglich ist. Da es mir unheimlich viel Spaß macht, Dinge zu organisieren und Ideen hineinzubringen, habe ich mich dazu entschieden, Schulelternsprecherin zu werden, damit es hier für alle noch schöner und besser wird.

Stefanie: Als meine Kinder hierher gekommen sind, hatte ich nicht die Idee, Schulelternsprecherin zu werden. Das ist eher aus der Not heraus entstanden. Es gab viele Krisen und Schulelternsprecher sind zurückgetreten. Am Ende stand Siegbert Meß, der zu dem Zeitpunkt schon lange Schulelternsprecher war, alleine da. Er hat mich damals angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, das zusammen mit ihm zu machen. Zuerst hatte ich dies aufgrund von Zeitmangel abgelehnt. Letzten Endes bin ich dann doch eingesprungen, um ihn nicht komplett alleine mit der ganzen Arbeit dastehen zu lassen. Es gab nämlich so viele Aufgaben, die zu erledigen waren, dass er das nicht alleine geschafft hätte.

Am Anfang hatte ich dann auch erst einmal ganz viele Fragezeichen im Kopf. Das geht, glaube ich, vielen Eltern so. Sie kommen hierher und wissen gar nicht, was überhaupt los ist. Wir haben daher vor zwei Jahren eingeführt, dass wir die neuen Elternvertreter:innen in ihre Aufgaben einführen, weil wir wissen, wie das ist, wenn man hier neu ankommt. Wie sind die Abkürzungen? Was bedeutet das alles? Was sind überhaupt die Aufgaben eines Elternsprechers/einer Elternsprecherin?

Das Wichtigste für mich ist auf jeden Fall, dass hier für die Schüler:innen ein tolles Klima herrscht und dass die Lehrer:innen auch glücklich sind. Das war zwischendurch nicht im Gleichgewicht. Und wenn die Lehrer:innen nicht glücklich sind, dann lässt auch die Qualität des Unterrichts nach, das Engagement der Lehrer:innen sinkt und es geht unseren Kindern schlechter. Mein Ziel ist es, eine Schule mitzugestalten, in der  auch ich gerne Unterricht haben würde.

Denkt ihr, dass ihr euer Ziel erreicht habt, dass die Schüler hier gerne zur Schule gehen?

Stefanie: Ich glaube schon, ja. Allerdings sind wir natürlich nur am Rande tätig, denn die Hauptaufgabe liegt bei den Lehrer:innen. Aber ich denke, dass den Schüler:innen hier sehr viel geboten wird. Wir bedanken uns dafür auch jedes Jahr bei den Lehrer:innen, um ihnen gegenüber Wertschätzung und Respekt für Ihre tolle Arbeit und ihr außergewöhnlich hohes Engagement zu zeigen.

Wie würdet ihr eure Aufgaben als Schulelternsprecherinnen zusammenfassen?

Stefanie: Also erst einmal versuchen wir für euch Schüler:innen das Beste rauszuholen. Das schaffen wir, indem wir auf alle zugehen, zuhören und dann versuchen, entsprechend zu agieren. Wir versuchen, Arbeitsgruppen ins Leben zu rufen, den Beirat anzusprechen und so weiter.

Doro: Formal ist es ja so, dass wir die Beschlüsse der Elternschaft vertreten. Einerseits gegenüber der Schulleitung, andererseits gegenüber anderen Schulgremien, dem Beirat, der Behörde. Das ist so die formale Seite. Es geht darum, dass wir alle gut miteinander kommunizieren und dass wir auch zielgerichtet und lösungsorientiert arbeiten. Häufig bringt es uns nicht weiter, wenn wir uns nur streiten. Dann kommen wir nicht zu einem Ziel. Und dieses Ziel dürfen wir eben nicht aus den Augen verlieren.

Stefanie: Was ich an unserer Arbeit auch ganz wichtig finde ist, mit den Lehrer:innen zusammenzuarbeiten. Früher war es wohl so – das hatte ich zumindest von Siegbert Meß mitbekommen -, dass hier eine Art Streitkultur herrschte. Die Lehrer:innen und die Elternschaft haben sich überhaupt nicht gut verstanden. Daraus ist auch dieses Eltern-für-Lehrer:innen-Buffet entstanden. Heute berichten viele Lehrer:innen, dass sie merken, dass die Wertschätzung ihrer Arbeit gegenüber wirklich gestiegen ist. Und das ist eben auch ganz wichtig.

Welche Kompetenz ist denn am wichtigsten für die Arbeit als Schulelternsprecher?

Stefanie: Einfühlsamkeit. Es ist super wichtig, dass man gut auf die Leute hört und ihnen sagt, dass wir sie sehen und dass sie uns wichtig sind.

Doro: Und auch, dass wir uns tatsächlich bewusst sind, dass wir, auch wenn wir selber Mütter sind, trotzdem für alle Kinder an dieser Schule da sind. Natürlich haben wir auch eine eigene Meinung zu vielen Dingen, was auch super wichtig und gut ist. Aber als Schulelternsprecherinnen vertreten wir die Meinungen der gesamten Elternschaft.

Eine sehr wichtige Kompetenz ist auch die Organisation, damit wir diese vielfältigen Aufgaben gut hinbekommen. Wir sind ja beide berufstätig und engagieren uns in ganz vielen Gremien und Sitzungen. Wir arbeiten in sehr vielen Bereichen für die Schüler:innen und für die Schule. Das alles zu organisieren, neben der eigenen Familie und den eigenen Kindern ist durchaus eine Herausforderung.

Stefanie: Da fallen natürlich auch Sachen hinten rüber. Ihr müsst euch einen Tisch vorstellen, auf den ganz viele Aufgaben gepackt werden. Irgendwann ist der Tisch so voll, dass Aufgaben an den Seiten herunterfallen. Organisationstalent gehört also schon durchaus zu den wichtigsten Kompetenzen. Was auch ganz wichtig ist, dass wir aushalten müssen, dass Menschen die Arbeit, die wir machen, nicht gut finden. Wir bekommen auch manchmal nicht so schöne E-Mails. Aber dann müssen wir uns auch klar machen, dass das eine Meinung von 2000 oder so ist.

Was muss sich aus eurer Sicht konkret an unserer Schule ändern?

Stefanie: Die Digitalisierung muss vorangetrieben werden!

Doro: Ja, genau. Das fängt an bei der Ausstattung. Das sind die Beamer, iPads, Wlan.

Stefanie: Wir brauchen mehr Lehrer:innen. Die werden wir natürlich nicht bekommen, aber das ist trotzdem wichtig. Und wir brauchen mehr Stunden für die Lehrer:innen. Wir brauchen Sonderpädagogen. Wir brauchen mehr Assistenzen für W+E Kinder. Wir brauchen Politik, die nicht zwei Seiten hat. Sondern solche, die das, was sie mit europäischen Politikern vorleben, sagen und tun, auch umsetzen. Deshalb brauchen wir auch mehr Unterstützung im bilingualen Zweig.

Doro: Genau, und wenn die Lehrer so überlastet sind und so viel zu tun haben, wie viele möchten sich denn dann noch engagieren? So viele Lehrer:innen tun das, müssen das aber in ihrer Freizeit machen! Und das ist ganz toll, aber irgendwann ist auch mal die Grenze erreicht, weil sie ja auch eine eigene Familie und ein eigenes Leben haben.

Stefanie: Ganz richtig, das darf man auch auf keinen Fall vergessen. Die Lehrerschaft vom Gymnasium Horn ist super! Ich weiß, die Schüler:innen sind vielleicht manchmal genervt von einigen Lehrer:innen, aber es ist schon einzigartig, was für tolle Lehrer:innen wir hier eigentlich haben.

Doro: Das hören wir auch oft aus Gremien mit anderen Schulen.

Stefanie: Aus dem Gesamtelternbeirat der Gymnasien bekommen wir das immer mit. Dort muss jeder von seiner Schule berichten, wie die Situation gerade ist. Und da sind wir wirklich ganz vorne dabei. Die Sorgen, die wir haben, werden uns immer als Luxussorgen vorgeworfen. Wir werden da auch immer abgetan.

Für welches Projekt habt ihr euch denn besonders ins Zeug gelegt?

Doro: Naja, ich formuliere es mal so: Es gibt immer wieder Herausforderungen und Projekte, die unser besonderes Engagement fordern, was wir auch gerne geben. Wenn wir das dann gut zum Abschluss bringen, sind wir auch sehr zufrieden. Aktuell ist ein wichtiges Projekt von unserer Seite die Berufsorientierung “Find your way” für die QI. Da sind wir gerade ganz aktiv und wollen für die QI eine ganz tolle Aktion veranstalten, damit sie viel mitnehmen können.

Stefanie: Denn von unseren eigenen Kindern bekommen wir immer mit, dass viele nicht wirklich wissen, was sie nach der Schule machen wollen. Und um ihnen zu helfen, veranstalten wir dieses Event “Find your way”. Da haben wir 19 Vortragende gefunden. Aus diesen Angeboten kann sich jeder vier aussuchen und schauen, ob einem das gefällt oder nicht.

Außerdem engagieren wir uns für die Liberalisierung der Handynutzung. Und für den Color Run, der möglichst bald wieder stattfinden soll. Dazu wünsche ich mir dieses Mal allerdings mehr Unterstützung von den Eltern und Schüler:innen. Die Lehrerschaft war das letzte Mal schon sehr aktiv. Insbesondere die Sportfachschaft war sehr engagiert, worüber ich sehr dankbar war. Die Unterstützung brauchen wir natürlich wieder, denn ohne die sind wir aufgeschmissen.

Wir wollen uns auf jeden Fall dazu am 10.05., um 17 Uhr hybrid treffen , wo wir das dann alles gemeinsam anstoßen und planen können. Wir wollen, so wie beim letzten Mal, wieder tolle Sachen für euch Schüler:innen besorgen. Letztes Mal gab es  ein Klavier, es gab Sitzgelegenheiten, und, und, und.

Neben dem Color Run haben wir uns auch noch bei dem neuen Anbau engagiert. Das ist auch ein riesiges Thema.

Wo wir auch viel unterstützen, ist der W+E Bereich. Wir wollen sicherstellen, dass die drei Schüler:innen, die nächstes Jahr an diese Schule kommen, einen Sonderpädagogen bekommen. Wir brauchen insgesamt noch zwei Sonderpädagogen. Uns verlassen jetzt nämlich zwei Halbtagskräfte und wir brauchen noch einen für diese neue Klasse. Wir machen wirklich  viel, wenn man sich das mal so überlegt …

Was macht euch denn besonders viel Spaß an eurer Arbeit als Schulelternsprecher?

Doro: Wenn wir feststellen, dass unsere Arbeit funktioniert. Heißt, dass wir Ziele erreichen und alle glücklich sind. Wenn wir feststellen, dass unsere Arbeit erfolgreich ist und die unterschiedlichen Menschen wirklich zufrieden und gerne hier an der Schule sind!

Stefanie: Ich freue mich, wenn die Kinder hier gerne zur Schule gehen, denn ich finde, es ist hier alles so schön geworden. Ich engagiere mich ja auch im Schulverein. Da kümmern wir uns auch um die Mensa. Es freut mich, wenn vom Essen her alles stimmt. Es ist toll, dass wir hier so einen hohen Bio-Anteil und eine so schöne und gute Cafeteria haben. Es gibt eigentlich nichts, wo man sich hier nicht wohlfühlen könnte, habe ich oft das Gefühl. Guckt euch an, wie sauber es hier ist! Die tollen Bilder, die hier an den Wänden hängen. Die Vitrinen. Der tolle ShopHorn!

Ich habe drei Kinder und dadurch natürlich ganz viele von deren Freund:innen bei uns zuhause. Dann frage ich oft, ob sie gerne zur Schule gehen. Wenn ich dann höre, dass sie grundsätzlich gerne in der Schule sind, auch wenn es die Pausen sind, die ihnen besonders gut gefallen, dann freue ich mich, weil das heißt, dass sie hier gerne hinkommen und sich hier wohlfühlen, was überaus wichtig ist, da sie in der Schule einen großen Teil ihres Tages verbringen.

Wie viel Zeit investiert ihr in den Job als Schulelternsprecher? 

Stefanie: Ganz ehrlich? Darüber will ich gar nicht nachdenken.

Doro: Es ist wirklich aufwändig und es ist sehr viel Zeit. Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist manchmal  wirklich anstrengend.

Stefanie: Die ganze Freizeit, die wir haben, könnten wir in diesen Job investieren, wenn wir wollten. Ich habe manchmal auch das Gefühl, dass meine eigenen Kinder dadurch zu kurz kommen. Die haben sich zum Glück noch nicht beschwert, aber…

Doro: Es ist tatsächlich häufig ein Spagat. Denn diese Arbeit endet nicht am Wochenende, wir wollen auch nicht, dass unsere Familie zu kurz kommt. Auch wir können ja nicht “48 Stunden” am Tag arbeiten.

Stefanie: Aber so viel bräuchten wir eigentlich, denn es gibt wirklich immer viel zu tun. Und wenn dann solche  E-Mails kommen, in denen gefragt wird, warum wir das Protokoll erst so spät verschicken, dann denke ich mir nur, dass der Tag lediglich 24 Stunden hat. Anders schaffe ich das einfach nicht. Was sollen wir machen? Wir können uns nicht dreiteilen.

Eigentlich kann man diese Aufgabe nur übernehmen, wenn man altruistisch veranlagt ist und  einem das alles wichtig ist. Wenn dir wichtig ist, dass alle Kinder zufrieden und glücklich sind und nicht nur deine eigenen, sondern eben alle Kinder.

Unter dieser Prämisse ist dann natürlich der uns gemachte Vorwurf, all das nur deshalb zu tun, weil wir schnell an Informationen kommen möchten und nur etwas für das eigene Kind bewegen wollen, ein wahrer Hohn. Wir machen so viel für andere Kinder, dass unsere eigenen Kinder eigentlich erst zuletzt drankommen. Die laufen so nebenbei mit. Glücklicherweise funktioniert das, aber in so vielen Familien eben nicht und da helfen wir auch immer gerne.

Doro: Ohne die Leidenschaft, die wir mitbringen, könnten wir das nicht schaffen. Natürlich profitieren auch unsere eigenen Kinder davon, wenn es euch allen gut geht. Aber wir machen das bestimmt nicht, damit es nur unseren Kindern gut geht.

Stefanie: Wir machen das Ganze ja auch für die Zukunft. Den Neubau zum Beispiel, den werden unsere eigenen Kinder nicht mehr erleben. Die haben gar nichts mehr davon.

Gab es ein Projekt, das so richtig nach hinten losgegangen ist?

Stefanie: Wir haben ganz viele Nackenschläge ertragen müssen. Aber wir sind immer wieder aufgestanden und haben weitergekämpft. Wir haben so viel Mist erleben müssen. Aber wir haben uns immer wieder aufgerappelt. Kurzzeitig haben wir uns angeguckt und darüber nachgedacht, ob das jetzt wirklich wahr sein kann. Alle meinten, wir würden scheitern, aber das sind wir nicht.

Doro: Dass wir uns selber motivieren weiterzumachen und eben nicht aufzugeben, hat uns schon oft gezeigt, dass sich das wirklich auszahlt.

Stefanie: Man darf die Dinge nicht einfach hinnehmen. Auf keinen Fall! Wenn etwas scheitert, sucht man sich eben einen anderen Weg. Es gibt immer einen. Daher niemals die Hoffnung aufgeben, denn wenn man die Hoffnung aufgibt, hat man schon verloren.

Stefanie, Doro, vielen Dank für das Interview!     

„Es geht uns darum, dass junge Menschen ein gewisses Grundverständnis für das Thema bekommen“

Seit kurzem gibt es eine neue AG an unserer Schule. Die Queerdenker-AG setzt sich dafür ein, dass es weniger Feindlichkeit gegen Menschen aus der LGBTQAI+ Community gibt. Dazu erzählen und Lilli, Silvio und Mieke, wie es zu der AG kam und was sie für konkrete Ziele haben.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, die Queerdenker AG zu gründen?

Das ist tatsächlich ganz lustig. Wir haben uns auf dem Weg zu Rewe unterhalten, weil uns davor ein paar Kinder diverse Beleidigungen hinterher geschrien haben. Dadurch sind wir auf die Idee gekommen, dass man ja eigentlich mal was dagegen unternehmen könnte, da vor allem schon die kleineren Kinder eine Abneigung gegen solche Themen entwickeln. Und dann meinten wir, dass es echt schade ist, dass unsere Schule sowas noch gar nicht hat. Daraufhin haben wir uns immer weiter reingesteigert und meinten, lass uns doch einfach mal so was gründen. Uns ist auch selber schon öfter aufgefallen, dass es zum einen allgemein wenig Aufklärung darüber in der Schule gibt und dass dann erst so ab der 9. Klasse überhaupt über das Thema wirklich gesprochen wird und dann halt nur im Bio-Buch ein kleiner Absatz ist, wenn es um das Thema HIV geht. Das ist ja schon ziemlich schade, weil eben auch einige Schüler/innen in unserer Schule selber queer sind und das Verständnis dafür auch viel früher da sein kann.

Was ist euer Ziel? Was wollt ihr damit erreichen?

Wir wollen vor allem dafür sorgen, dass die jüngeren Jahrgänge ein gewisses Grundverständnis bekommen. Bei den älteren Jahrgängen kann man da wahrscheinlich einfach weniger erreichen. Dafür ist es halt ein bisschen zu spät, noch diejenigen zu erreichen, die diese homophobe Meinung noch durchsetzen.

Unser Plakat wurde zum Beispiel am zweiten Tag, an dem es hing heruntergerissen und auch zerrissen. Dadurch sieht man ja auch, bei einigen bringt das jetzt auch nichts mehr die Meinung irgendwie ändern zu wollen. Unser Ziel ist es, dass die Schüler ein Verständnis dafür entwickeln und es auch zu normalisieren.

Zum anderen wollen wir auch eine Anlaufstelle bilden, wo man über alles Mögliche reden und sich austauschen kann. Das Angebot gilt auch nicht nur für queere Menschen, sondern für alle, solange sich sich respektvoll gegenüber anderen verhalten.

Habt ihr schon Ideen, wie man eure Ziele umsetzen kann? 

Wir wollen jetzt als erstes kleinere Infoplakate an verschiedenen Stellen in der Schule aufhängen. Außerdem wollen wir noch mit einigen Lehrern darüber sprechen, wie das Thema LGBTQIA+ besser in den Unterricht integriert werden kann. Speziell im Biologieunterricht im Zusammenhang mit Sexualkunde, wo man über die Möglichkeiten, die es da so gibt, sprechen kann. Wir gucken auch, wo die meisten queeren Schüler Probleme sehen.

Wie lange hat es gedauert, bis aus der Idee eine AG geworden ist?

Das ging tatsächlich alles richtig schnell. Wir haben direkt angefangen zu planen, nachdem wir die grobe Idee hatten. Wir haben ein Grundprinzip aufgestellt und das bei der Oberstufenleitung vorgestellt. Danach wurde ein persönliches Treffen ausgemacht, wo wir dann über unsere Ziele gesprochen haben und dann wurde das alles genehmigt. Uns wurde dann noch ein Ansprechpartner zugeteilt und wir haben einen Raum bekommen. Es ging alles ziemlich schnell und die Schule war auch sehr offen dafür.

Wann trefft ihr euch?

Wir treffen uns Dienstags in der neunten Stunde und Freitags in der sechsten Stunde. Freitags machen wir eher offene Treffen und Dienstags ist organisatorischer, also da gestalten wir die Infoplakate.

Ihr hattet auch am Tag der offenen Tür einen Stand. Wie waren denn die Reaktionen von Schülern und Eltern?

Dazu muss man sagen, dass einige Eltern nicht den Unterschied von der “queer”- und der “quer”-Schreibweise bemerkt haben, weswegen wir ein paar seltsame Blicke zugeworfen bekommen haben. Sie dachten wahrscheinlich, wir wären Corona-Leugner.

Es sind tatsächlich viele Kinder zögerlich zu uns gekommen, ein paar haben sich getraut, offen zu sprechen. Also es gab schon Interesse. Es sind auch überraschend viele Lehrer zu uns gekommen und haben Fragen gestellt.

Vielen Dank für das Interview.