Zwischen Pflichtdienst und persönlicher Freiheit
Ein Blick auf die Wehrpflicht in Finnland und die Frage nach ihrer heutigen Bedeutung.
In dem folgenden Artikel beschäftigen wir uns mit einem Thema, über das wir uns leider heutzutage alle Gedanken machen sollten – der Wehrpflicht. Heute speziell mit der finnischen Wehrpflicht, da diese mir besonders durch die 1340km lange Grenze, die Finnland mit Russland teilt, interessant erscheint.
In Finnland existiert ein sehr ähnliches Modell der Wehrpflicht, wie jenes, das bis in das Jahr 2011 noch in Deutschland geführt wurde. Jede männliche Person in Finnland wird in dem Jahr, in welchem sie 18 wird, gemustert. Im Zuge der Musterung wird besprochen, wann sie den Dienst antritt und wie lange sie sich verpflichtet. Die Mindestdauer eines Militärdienstes beträgt 165 Tage. Im Falle einer Verweigerung des Wehrdienstes kann alternativ auch ein 347-tägiger Zivildienst angetreten werden. Dieser ist dann in einer Sozialen Einrichtung auszuführen. Wird auch dieser verweigert, wird mit einer 173-tägigen Freiheitsstrafe gebüßt. Für alle anderen ist ein sozialer Pflichtdienst freiwillig. Reisen Personen, als unter 30-Jährige in Finnland ein und bleiben für mindestens drei Monate, besteht auch für Einreisende die Wehrpflicht. Ausgenommen von der Wehrpflicht sind Zeugen Jehovas und Bewohner des autonomen Ålands.
Aufgrund dieser strikten Maßnahmen, die seit dem Jahre 1951 durchgängig in Finnland durchgesetzt wurden, hat das Land auch eine dementsprechend hohe Reservistenzahl. Diese beträgt in Friedenszeiten 23.850, wovon 17.400 Landstreitkräfte, 3.150 Seestreitkräfte und 3.300 Luftstreitkräfte sind. Im Kriegsfall könnten allerdings bis zu 520.000 Soldaten eingezogen werden.
Stellungnahme
Ich persönlich empfinde das Thema Wehrpflicht häufig als sehr schwieriges Thema, und als etwas, bei dem sich Menschen entscheiden müssen – zwischen Sicherheit und Freiheit, zwischen Vertrauen und Verantwortung oder Liebe und Nationalität. Auch finde ich das Thema Gleichberechtigung wichtig zu erwähnen. Heutzutage reden alle von Gleichberechtigung etwa im Beruf, im Sport oder in der Erziehung, doch in Finnland werden nach wie vor nur junge Männer eingezogen. Daher erscheint mir die Wehrpflicht in Finnland an dieser Stelle überholt und nicht mehr zeitgemäß zu sein. Vielleicht sollten wir uns dafür einmal anschauen, wieso die Wehrpflicht damals ausschließlich für Männer eingeführt wurde. Es hieß, dass Frauen körperlich nicht dazu in der Lage wären und sich um die Familie kümmern müssten. Doch in Zeiten, in denen Fitness schon lange nur noch wenig mit dem Geschlecht zu tun hat und Männer genauso wie Frauen die Möglichkeit haben zum Beispiel in Elternzeit zu gehen oder in Teilzeit zu arbeiten, frage ich mich ob es nicht fair wäre, wenn eine Wehrpflicht wie sie in Finnland herrscht nicht auch für Frauen gelten sollte. Viele Argumente sprechen gegen eine Wehrpflicht (s. Artikel von Luisa und Finn). Wenn sie jedoch eingeführt wird, sollte sie für alle Geschlechter gelten.




Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!